Die meisten Probleme mit Smart-Home-Anlagen entstehen nicht bei der Programmierung, sondern Monate davor: fehlende Leitungen, zu kleine Verteiler, Taster an der falschen Stelle, keine Reserve für die Wärmepumpe, die dann doch kommt. Wer die folgenden zwölf Fragen beantwortet hat, bevor der Rohbau steht, spart später Geld, Zeit und Nerven.
1. Was soll das Haus können – Raum für Raum?
Die Grundlage jeder Planung ist das Raumbuch: Für jeden Raum wird festgehalten, welche Funktionen gewünscht sind – Licht (schalten, dimmen, Farbtemperatur?), Beschattung, Heizung/Kühlung, Lüftung, Steckdosen schaltbar, Präsenzerkennung, Medien. Das klingt aufwendig, ist aber der Moment, in dem Sie am günstigsten Entscheidungen treffen können.
2. Wo sitzen die Taster – und wie viele?
Bei KNX braucht nicht jede Leuchte einen eigenen Schalter. Ein Taster mit 4–6 Wippen pro Raum an der Tür reicht meist; Komfort kommt über Präsenzmelder und Szenen. Planen Sie trotzdem großzügig Leerdosen mit Busleitung ein – ein Taster lässt sich nachrüsten, eine Dose in der Wand nicht.
3. Welche Sensorik ist sinnvoll?
Präsenzmelder in Fluren, Bädern, Küche, Hauswirtschaftsraum; Raumtemperaturfühler in jedem beheizten Raum (oft im Taster integriert); Wetterstation auf dem Dach; Fensterkontakte für Beschattung und Heizungsabsenkung. Sensorik ist das, was eine Anlage „smart“ macht – nicht die App.
4. Zentral oder dezentral verdrahten?
Unsere Empfehlung für Neubau: Sternverdrahtung zum Verteiler – jede Leuchte, jede Rollladen- und Steckdosengruppe bekommt eine eigene Leitung in den Schaltschrank. Das kostet etwas mehr Kabel, macht die Anlage aber für Jahrzehnte flexibel.
5. Wie groß wird der Verteiler?
Deutlich größer, als Ihr Elektriker bei konventioneller Installation vorsehen würde. Faustregel für ein Einfamilienhaus: mindestens ein Standverteiler oder zwei große Wandverteiler, 30 % Reserve. Und: Der Verteiler braucht Platz, Belüftung und ein Netzwerkkabel.
6. Welche Schnittstellen braucht die Anlage?
Wärmepumpe, Lüftungsanlage, PV-Wechselrichter, Batteriespeicher, Wallbox, Türsprechanlage, Multiroom-Audio – alles, was später „reden“ soll, braucht jetzt eine Leitung (meist Netzwerk) und eine Klärung, welche Schnittstelle das Gerät bietet (KNX nativ, Modbus, IP-API).
7. Heizung: Wer regelt?
Einzelraumregelung über KNX ist komfortabel und spart Energie – aber nur, wenn Heizkreisverteiler, Stellantriebe und Wärmeerzeuger passend geplant sind. Klären Sie früh mit dem Heizungsbauer: Wer führt die Regelung – KNX oder die Wärmepumpe?
8. Beleuchtung: DALI oder direkt?
Viele dimmbare Leuchten, Tunable White, lange LED-Strecken? Dann ist ein DALI-Gateway oft sauberer als viele Dimmaktoren. Konventionell geschaltete Leuchten gehören auf Schaltaktoren. Mischformen sind normal – sie müssen nur geplant sein.
9. Netzwerk und WLAN
KNX braucht für Visualisierung, Fernzugriff und Schnittstellen ein stabiles Netzwerk: Netzwerkschrank mit Patchfeld, Switch, Router; LAN-Dosen in jedem Raum; Access Points an der Decke. Keine Smart-Home-Anlage ist besser als ihr WLAN.
10. Wie wird bedient?
Taster für das Alltägliche, Visualisierung für Übersicht und Szenen, Sprachsteuerung als Bonus. Entscheiden Sie früh, ob ein Wandtablet gewünscht ist (Leerdose + Strom + Netzwerk!) und welches Visu-System – das beeinflusst Geräteauswahl und Budget.
11. Was kostet es – und was ist Reserve?
Eine realistische Budgetplanung berücksichtigt Geräte, Installation, Programmierung, Visualisierung und eine Reserve von 10–15 % für Wünsche, die erst beim Einzug kommen. Mehr dazu in unserem Artikel Was kostet KNX?.
12. Wer dokumentiert – und wem gehört das Projekt?
Klären Sie vertraglich: Das ETS-Projekt und die Dokumentation werden an den Bauherrn übergeben. Das klingt selbstverständlich, ist es leider nicht. Ohne diese Zusage sind Sie auf Jahre von einem Dienstleister abhängig.
Fazit
KNX im Neubau ist keine Raketenwissenschaft – aber es verzeiht schlechte Planung nicht. Wer Raumbuch, Leitungen, Verteiler, Schnittstellen und Dokumentation vorher klärt, bekommt eine Anlage, die 25 Jahre hält und sich jederzeit erweitern lässt.
