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Bestandsanlagen 3 Min. Lesezeit

KNX-Anlage ohne ETS-Projekt: So wird eine Bestandsanlage rekonstruiert

Das ETS-Projekt ist weg, der Integrator nicht mehr erreichbar – und die Anlage soll trotzdem weiterlaufen? So läuft eine KNX-Rekonstruktion ab, was geht, was nicht und was es kostet.

Es ist einer der häufigsten Anrufe, die wir bekommen: „Wir haben ein Haus mit KNX gekauft. Alles funktioniert irgendwie – aber es gibt keine Unterlagen, kein ETS-Projekt, und der damalige Elektriker existiert nicht mehr. Jetzt soll die Heizung umgestellt werden.“

Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen lässt sich eine KNX-Anlage auch ohne das ursprüngliche ETS-Projekt rekonstruieren. KNX ist ein offener Standard, die Geräte sprechen ein dokumentiertes Protokoll, und vieles, was im Projekt stand, steckt auch in den Geräten selbst.

Warum das ETS-Projekt so wichtig ist

Das ETS-Projekt ist die „Quelldatei“ Ihrer Anlage. Es enthält:

  • die Topologie (welche Geräte an welcher Linie, mit welcher physikalischen Adresse),
  • die Gruppenadressen (die „Kanäle“, über die Taster, Aktoren und Sensoren miteinander sprechen),
  • die Parameter jedes Geräts (Dimmkurven, Laufzeiten der Rollläden, Regelparameter der Heizung, Logiken),
  • und im Idealfall Benennungen und Kommentare, die das Ganze lesbar machen.

Ohne Projekt können Sie an der Anlage nichts ändern – kein neuer Taster, keine geänderte Jalousielaufzeit, keine Wärmepumpenanbindung. Genau darum lohnt sich die Rekonstruktion.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Bevor ein Laptop an den Bus kommt, schauen wir uns die Anlage an:

  • Welche Verteiler gibt es, welche Geräte stecken drin (Hersteller, Typ, Applikation)?
  • Wie viele Linien und Bereiche gibt es? Gibt es IP-Router oder Linienkoppler?
  • Welche Taster, Präsenzmelder, Raumtemperaturregler, Wetterstationen sind verbaut?
  • Gibt es Visualisierungen, Logikserver, Fremdsystem-Gateways (DALI, Modbus, 1-Wire)?
  • Welche Funktionen sind dem Eigentümer wichtig, welche sind seit Jahren „kaputt“?

Fotos der Verteiler und eine Liste der Räume reichen uns oft schon für eine erste Aufwandsschätzung.

Schritt 2: Den Bus belauschen

Mit einer USB- oder IP-Schnittstelle schneiden wir den Busverkehr mit. Jedes Mal, wenn jemand einen Taster drückt, sehen wir im Busmonitor: Absender (physikalische Adresse) → Gruppenadresse → Wert. Wer systematisch durchs Haus geht und jede Funktion auslöst, bekommt so nach und nach die komplette Zuordnung von Tastern zu Gruppenadressen.

Parallel lesen wir die Geräte direkt aus: Physikalische Adresse, Hersteller, Applikationsprogramm und – sofern nicht geschützt – die Gruppenadress-Zuordnung je Kommunikationsobjekt. Damit wissen wir, welcher Aktorkanal auf welche Adresse hört.

Schritt 3: Das ETS-Projekt neu aufbauen

Aus diesen Informationen entsteht ein neues ETS-Projekt:

  1. Geräte aus dem Herstellerkatalog anlegen, physikalische Adressen übernehmen.
  2. Gruppenadressen anlegen und sinnvoll benennen („EG Wohnen Licht Decke Schalten“ statt „1/0/12“).
  3. Zuordnungen rekonstruieren, Parameter soweit möglich auslesen bzw. anhand des Verhaltens nachstellen.
  4. Gerät für Gerät neu programmieren und testen.

Der letzte Punkt ist entscheidend: Erst wenn ein Gerät aus dem neuen Projekt heraus programmiert wurde und danach genauso funktioniert wie vorher, ist es wirklich „zurückgeholt“.

Was nicht geht – und was man dann tut

Manche Geräte lassen sich nicht auslesen: Entweder hat der Errichter den Auslese-Schutz (BCU-Key) gesetzt, oder das Gerät ist so alt, dass die ETS keine passende Applikation mehr kennt. In diesen Fällen gibt es zwei Wege:

  • Neu parametrieren: Wir setzen das Gerät zurück und parametrieren es aus dem neuen Projekt – die Funktion bleibt gleich, nur die Historie ist weg.
  • Austauschen: Bei sehr alten oder defekten Geräten ist ein modernes Ersatzgerät oft günstiger als stundenlange Archäologie.

Was es kostet

Die ehrliche Antwort: Es hängt von der Anlagengröße und davon ab, wie viel auslesbar ist. Ein Einfamilienhaus mit einer Linie und 30–40 Geräten ist ein anderer Aufwand als ein Gewerbeobjekt mit DALI-Gateways und Visualisierungsserver. Nach einem Vor-Ort-Termin bekommen Sie von uns ein Festpreisangebot – inklusive Dokumentation, damit das nie wieder passiert.

Das Ergebnis

Am Ende haben Sie:

  • ein sauberes, kommentiertes ETS-Projekt, das Ihnen gehört,
  • eine Dokumentation (Geräteliste, GA-Liste, Funktionsbeschreibung je Raum, Verteilerbelegung),
  • eine Anlage, die jeder KNX-Fachbetrieb weiter betreuen kann.

Sie haben genau dieses Problem? Schicken Sie uns ein paar Fotos vom Verteiler – wir sagen Ihnen, was realistisch ist.

Passt das zu Ihrem Projekt?

Wir beraten unverbindlich – per Telefon, Mail oder vor Ort in NRW; Planung und Programmierung auch remote.

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