Eine KNX-Anlage ist ein System, kein Produkt. Sie wird erweitert, angepasst, repariert – über Jahrzehnte und oft von wechselnden Personen. Die Dokumentation ist das, was diesen Staffellauf möglich macht. Und sie ist der Teil, der in der Praxis am häufigsten fehlt.
Hier ist, was wir bei jeder Übergabe liefern – und was Sie von jedem Integrator einfordern sollten.
1. Das ETS-Projekt (inklusive Passwörter)
Die Basis. Als .knxproj-Datei, aktuell, mit allen Geräten, Gruppenadressen und Parametern. Falls das Projekt oder einzelne Geräte mit Passwort/BCU-Key gesichert sind: Die Schlüssel gehören zur Dokumentation. Ein geschütztes Projekt ohne Schlüssel ist wertlos.
2. Geräteliste
Jedes KNX-Gerät mit:
- physikalischer Adresse,
- Hersteller, Typ, Bestellnummer, Applikationsversion,
- Einbauort (Verteiler/Reihe/Position oder Raum),
- Funktion (z. B. „Schaltaktor 16-fach, EG Licht“).
Im Verteiler selbst hilft eine Beschriftung jedes Geräts mit physikalischer Adresse und Funktion mehr als jede PDF.
3. Gruppenadressen-Liste mit Benennungsschema
Die Gruppenadressen sind das Herz der Anlage. Sie sollten einem konsistenten Schema folgen (z. B. Hauptgruppe = Gewerk, Mittelgruppe = Etage/Bereich, Untergruppe = Funktion) und sprechend benannt sein. Eine Export-Liste (CSV/XLSX) gehört in die Doku, zusammen mit einer Erklärung des Schemas.
4. Funktionsbeschreibung je Raum
Was passiert, wenn man im Wohnzimmer die linke obere Wippe drückt? Was macht der Präsenzmelder im Flur nachts? Welche Szenen gibt es, welche Zeitschaltungen, welche Logiken? Diese Funktionsbeschreibung in Klartext ist das, was Eigentümer, Hausverwaltung und Nachfolge-Integrator am häufigsten brauchen – und am seltensten bekommen.
5. Verteilerpläne und Stromlaufpläne
Welcher Aktorkanal schaltet welchen Stromkreis? Wo sitzt welcher Leitungsschutzschalter? Klemmenbelegung, Busleitungsführung, Linienkoppler. Ohne diese Pläne steht jede Fehlersuche bei Null.
6. Netzwerk- und Schnittstellenplan
IP-Adressen von Routern, Schnittstellen, Visu-Servern, Gateways (DALI, Modbus), Fernzugriff (VPN-Zugangsdaten an sicherer Stelle), verwendete Ports. Dazu: Welche Fremdsysteme (Wärmepumpe, PV, Wallbox) sind wie angebunden?
7. Parameter-Besonderheiten und Entscheidungen
Warum läuft die Jalousie im Bad nur bis 80 %? Warum ist die Heizung im Gästezimmer auf Standby? Solche bewussten Entscheidungen gehören in die Doku – sonst „repariert“ sie der Nächste.
8. Zugangsdaten und Lizenzen
Visualisierungs-Logins, App-Zugänge, Lizenzschlüssel von Logikservern, Cloud-Konten (falls vorhanden). Am besten getrennt und sicher verwahrt, aber auffindbar für den Eigentümer.
9. Änderungshistorie
Jede Erweiterung oder Reparatur wird mit Datum, Ausführendem und Kurzbeschreibung festgehalten – idealerweise direkt im ETS-Projekt (Projektprotokoll) und zusätzlich in der Doku.
Form: Digital + im Verteiler
Wir liefern die Dokumentation digital (PDF + ETS-Projekt + Exporte) und auf Wunsch als gedruckte Mappe im Verteiler – dort, wo der Techniker steht, wenn etwas nicht geht.
Ihre Anlage ist nicht dokumentiert?
Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt – bevor der nächste Umbau ansteht. Wir nehmen Bestandsanlagen auf, bereinigen das ETS-Projekt und erstellen die Dokumentation nach.
