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Bestandsanlagen 5 Min. Lesezeit

ETS-Projekt übernehmen: Integratorwechsel bei KNX-Anlagen

Integratorwechsel bei KNX: Wem gehört das ETS-Projekt, wie läuft die Übernahme mit Passwörtern und BCU-Schlüssel – und welche Red Flags Angebote zeigen.

Der Wechsel des KNX-Integrators ist ein Alltagsthema: Der ursprüngliche Betrieb hat aufgehört, meldet sich nicht mehr, ist zu weit weg oder passt nicht mehr zum Projekt. Fast immer stellt sich dann dieselbe Frage – kommt man an das ETS-Projekt heran, und was passiert, wenn nicht? Dieser Beitrag beschreibt, wie eine saubere Übernahme abläuft, was ohne Projektdatei möglich ist und woran man unseriöse Angebote erkennt.

Wem gehört das ETS-Projekt?

Die kurze Praxisantwort: Das ETS-Projekt gehört zur Anlage und damit zum Gebäude. Es ist die Dokumentation der bezahlten Leistung, vergleichbar mit dem Stromlaufplan oder dem Heizungsschema. Ein Eigentümer, der sein Haus verkauft oder den Dienstleister wechselt, muss weiterbetreiben können, was er bezahlt hat.

Die etwas längere Antwort: Entscheidend ist der Vertrag. Wurde die Erstellung des ETS-Projekts beauftragt und bezahlt, spricht alles für einen Herausgabeanspruch. Wurde nur „Programmierung" ohne Dokumentationsumfang vereinbart, wird die Sache diskutierbar – manche Betriebe argumentieren mit eigenem Know-how in Logikbausteinen und Parametersätzen. Für Bauherren heißt das: Die Herausgabe des ETS-Projekts inklusive Passwörtern gehört in die Beauftragung, nicht in die Abnahme.

So läuft eine saubere Übernahme ab

Projekt anfordern

Fordern Sie beim bisherigen Integrator schriftlich an – idealerweise als Liste, damit nichts vergessen wird:

  • ETS-Projektdatei als Export (.knxproj), Angabe der verwendeten ETS-Version
  • Projektpasswort der Exportdatei
  • Gesetzte BCU-Schlüssel beziehungsweise die Gerätepasswörter
  • Bei KNX Secure: Zertifikate beziehungsweise die Gerätezertifikat-Codes und der Passwortsatz
  • Zugangsdaten für IP-Schnittstelle, Router, Visualisierung und Logikserver
  • Verteilerpläne, Klemmenpläne, Kanal-Belegungslisten
  • Beschreibung von Logikfunktionen und Szenen, soweit nicht in der ETS hinterlegt
  • Backup von Visualisierung, Logikserver und gegebenenfalls Home-Assistant-Konfiguration

Setzen Sie eine realistische Frist und begründen Sie die Anfrage sachlich mit dem Betrieb der Anlage. In den meisten Fällen kommt die Datei – oft schlicht deshalb, weil bisher niemand danach gefragt hatte.

Projekt prüfen, bevor Sie arbeiten

Ein erhaltenes Projekt ist noch keine Garantie, dass es zum Gebäude passt. Vor der ersten Änderung prüfen wir:

  • Stimmt die Gerätestruktur mit dem realen Verteiler überein (Bereich, Linie, physikalische Adressen)?
  • Sind Gruppenadressen benannt oder nur nummeriert? Ein Schema ohne sprechende Namen ist funktional, aber teuer in der Pflege – dazu unser Beitrag zum Gruppenadressen-Schema.
  • Lassen sich Geräte auslesen und stimmt der Applikationsstand mit dem Projekt überein?
  • Wurden nach dem letzten Projektstand noch Änderungen an der Anlage vorgenommen, die nie eingepflegt wurden?

Der letzte Punkt ist der häufigste: Das Projekt ist echt, aber drei Jahre alt. Dann folgt ein Abgleich zwischen Projekt und Anlage, bevor irgendetwas programmiert wird.

Übergabe dokumentieren

Am Ende der Übernahme sollte ein definierter Stand stehen: aktuelles Projekt, aktualisierte Verteilerbeschriftung, Passwortliste an den Eigentümer, Backup an einem zweiten Ort. Was dazu gehört, ist Teil unserer Leistung KNX-Dokumentation und Rekonstruktion.

Was geht ohne ETS-Projekt?

Mehr, als die meisten erwarten. Eine KNX-Anlage trägt ihre Konfiguration in den Geräten. Mit der ETS lassen sich Bus-Teilnehmer scannen, physikalische Adressen und Applikationsprogramme ermitteln und die verwendeten Gruppenadressen aus dem Busverkehr sowie aus den Geräten selbst rekonstruieren. Aus Verteilerfotos, Klemmenbeschriftung und einem systematischen Funktionstest entsteht daraus wieder ein arbeitsfähiges Projekt.

Grenzen gibt es an drei Stellen:

  • Gesetzte BCU-Schlüssel: Ist ein Gerät gesperrt und der Schlüssel unbekannt, hilft nur ein Werksreset – die Parametrierung dieses Geräts ist damit verloren und muss neu erstellt werden.
  • KNX Secure ohne Zertifikate: Sichere Geräte lassen sich ohne den zugehörigen Passwortsatz nicht in ein neues Projekt übernehmen; auch hier bleibt der Reset. Was Secure bedeutet, erklären wir in KNX Secure – brauche ich das?.
  • Logik in Zusatzsystemen: Visualisierungen und Logikserver speichern ihre Konfiguration außerhalb der ETS. Ohne Backup und Zugang muss dieser Teil neu aufgebaut werden.

Wie eine solche Rekonstruktion praktisch abläuft, welche Schritte dazugehören und wie viel Zeit sie beansprucht, beschreiben wir ausführlich in KNX-Anlage ohne ETS-Projekt rekonstruieren.

Red Flags bei Angeboten zur Übernahme

Nicht jedes Angebot zum Integratorwechsel ist im Interesse des Kunden. Aufmerksam werden sollten Sie bei diesen Punkten:

Red FlagWarum problematisch
„Wir setzen alle Geräte zurück und programmieren neu" als erster VorschlagVerwirft funktionierende Parametrierung und kostet ein Vielfaches der Übernahme. Legitim nur, wenn Geräte tatsächlich gesperrt sind.
Keine Zusage zur Herausgabe des neuen ProjektsWer das Projekt nicht herausgibt, baut die nächste Abhängigkeit auf.
Pauschalpreis für die Rekonstruktion ohne AnlagenbesichtigungOhne Kenntnis von Gerätezahl und Zustand ist der Aufwand nicht seriös schätzbar.
BCU-Schlüssel werden gesetzt, aber nicht mitgeteiltFaktische Sperre der Anlage für Dritte – ein klares Warnsignal.
Wechsel auf ein herstellergebundenes System „weil KNX veraltet ist"Meist ein Vertriebsargument. Eine funktionierende Bus-Installation ist ein Wert, kein Problem.
Keine Dokumentation im AngebotsumfangDann steht das nächste Übernahmeproblem schon fest.

Fazit

Ein Integratorwechsel ist bei KNX technisch unproblematisch – vorausgesetzt, das ETS-Projekt und die Zugangsdaten sind vorhanden. Fordern Sie beides schriftlich an, prüfen Sie das erhaltene Projekt gegen die reale Anlage und lassen Sie sich für die Zukunft die Herausgabe vertraglich zusichern. Fehlt das Projekt, ist keineswegs alles verloren: Rekonstruktion ist in den allermeisten Anlagen möglich. Wir übernehmen Bestandsanlagen in Velbert, Essen, Wuppertal und Düsseldorf, prüfen vorhandene Projekte und bringen sie auf einen sauberen, dokumentierten Stand – Programmierung auch remote.

Häufige Fragen

Wem gehört das ETS-Projekt einer KNX-Anlage?
In der Praxis ist die Anlagendokumentation Teil der Werkleistung und gehört zum Gebäude – also dem Bauherrn beziehungsweise Eigentümer. Rechtlich entscheidend ist jedoch, was im Vertrag steht. Regeln Sie die Herausgabe des ETS-Projekts inklusive Passwörtern deshalb möglichst schon in der Beauftragung.
Was tun, wenn der bisherige Integrator das Projekt nicht herausgibt?
Erst schriftlich und mit Frist anfordern, mit Verweis auf den Vertrag. Führt das nicht zum Ziel, bleibt die Rekonstruktion aus der Anlage heraus – technisch aufwendiger, aber in den meisten Fällen möglich. Für die rechtliche Bewertung ist anwaltlicher Rat sinnvoll.
Was ist der BCU-Schlüssel und warum ist er wichtig?
Der BCU-Schlüssel ist ein gerätebezogener Schutz, mit dem ein Gerät gegen Überschreiben durch fremde ETS-Projekte gesperrt werden kann. Ist er gesetzt und nicht bekannt, lässt sich das Gerät nicht mehr programmieren – es hilft dann nur noch ein Werksreset, der die gesamte Parametrierung des Geräts verwirft.
Wie lange dauert eine Projektübernahme?
Mit vollständigem ETS-Projekt und brauchbarer Dokumentation reichen oft wenige Stunden für Sichtung und Plausibilitätsprüfung. Ohne Projekt bewegt sich eine Rekonstruktion je nach Anlagengröße im Bereich von ein bis mehreren Tagen – abhängig von Gerätezahl, Zugänglichkeit und Zustand der Beschriftung.

Passt das zu Ihrem Projekt?

Wir beraten unverbindlich – per Telefon, Mail oder vor Ort in NRW; Planung und Programmierung auch remote.

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