Die Schaltschrankplanung ist der Teil eines KNX-Projekts, der am häufigsten unterschätzt wird – und der sich am schlechtesten korrigieren lässt. Ein zu kleiner Schrank bedeutet nicht ein bisschen Enge, sondern einen Austausch unter Plombe mit Beteiligung des Netzbetreibers.
Wie viel Platz eine KNX-Anlage braucht
Als grobe Orientierung für ein Einfamilienhaus mit üblicher Ausstattung:
| Komponente | Teilungseinheiten (TE) |
|---|---|
| Spannungsversorgung mit Drossel | 4–6 |
| Linienkoppler, falls nötig | 2 |
| IP-Schnittstelle oder Router | 2 |
| Schaltaktor 8-fach | 8 |
| Dimmaktor 4-fach | 8 |
| Jalousieaktor 8-fach | 8 |
| Heizungsaktor 6-fach | 4–6 |
| Binäreingang | 2–4 |
| Logikmodul | 2–4 |
Dazu kommen Leitungsschutzschalter, FI-Schutzschalter, Überspannungsschutz und Klemmen. Für ein Haus mit etwa 140 Quadratmetern landet man erfahrungsgemäß bei vier bis sechs Reihen allein für die KNX-Komponenten – zusätzlich zur konventionellen Absicherung.
Reserve: die einzige Position, die sich immer rechnet
Zwei freie Reihen im Verteiler kosten beim Neubau wenig. Nachträglich einen zweiten Verteiler zu setzen, kostet einen Tag Arbeit plus Leitungswege.
Als Faustregel: mindestens 20 Prozent freie TE nach Fertigstellung, bei Objekten mit absehbarer Erweiterung eher 30 Prozent. Und getrennt davon: Platz im Zählerschrank für einen zweiten Zähler und die Steuereinrichtung.
Aufbau: was wohin gehört
Oben die Versorgung. Spannungsversorgung und Koppler nach oben, weil sie selten angefasst werden und Wärme abgeben.
Aktoren nach Gewerk gruppieren. Licht, Beschattung, Heizung getrennt in Reihen – nicht gemischt. Bei der Fehlersuche spart das erhebliche Zeit, und die Beschriftung wird nachvollziehbar.
Wärmequellen berücksichtigen. Dimmaktoren und Netzteile geben Wärme ab. Sie gehören nicht direkt unter temperaturempfindliche Komponenten und brauchen Abstand oder Belüftung.
Reihenklemmen großzügig. Der Punkt, an dem am häufigsten gespart wird und der bei jeder Änderung Ärger macht. Eine Klemme pro Ader, durchnummeriert und im Klemmenplan dokumentiert.
Busleitung sauber führen. Getrennt von 230 V, mit ausreichend Reserve in der Länge. Wenn ein Gerät getauscht wird, sollte man es herausziehen können, ohne den Bus abzuklemmen.
Beschriftung und Dokumentation
Die Beschriftung entsteht während des Aufbaus oder gar nicht. Was hinterher nachgeholt werden soll, wird nicht nachgeholt.
Drei Dinge, die minimal nötig sind:
- Jedes Gerät beschriftet – nicht mit dem Katalognamen, sondern mit Funktion und Bereich.
- Klemmenplan oder mindestens eine Klemmenliste.
- Fotos bei offener Tür, bevor die Abdeckung montiert wird. Fünf Minuten Aufwand, der bei jeder späteren Arbeit Zeit spart.
Die Reihenfolge in der Planung
- Funktionsliste steht – erst dann weiß man, wie viele Kanäle gebraucht werden.
- Geräteliste ableiten, mit Reserve bei den Kanälen.
- TE zusammenrechnen, Reserve aufschlagen, Schrankgröße bestimmen.
- Aufbauplan zeichnen, bevor bestellt wird.
- Zählerschrank prüfen – reicht der Platz für spätere Zähler und Steuereinrichtungen?
- Netzbetreiber anmelden, wenn sich an Zählerplatz oder Anschlussleistung etwas ändert.
Der häufigste Fehler liegt zwischen Schritt eins und zwei: Wenn die Funktionsliste fehlt, wird die Geräteliste geschätzt – und dann stimmt der Schrank nicht.
