Elektrische Rollläden sind im Neubau längst Standard. Ob sie zusätzlich automatisch fahren sollen, ist dagegen eine Frage, die viele Bauherren kurz vor der Ausschreibung stellen. Klingt nach Komfort, aber lohnt sich das?
Die kurze Antwort: In den meisten Häusern ja, wenn die Automatik zu den Bewohnern passt. Die lange Antwort steht hier.
Was automatische Rollläden im Alltag leisten
Hitzeschutz im Sommer. Das ist der größte Nutzen. Ein Rollladen hält Sonnenwärme draußen, bevor sie den Raum aufheizt. Das funktioniert aber nur, wenn er rechtzeitig herunterfährt, also auch dann, wenn niemand zu Hause ist. Genau das schafft eine Automatik zuverlässiger als jeder Mensch.
Komfort am Morgen und Abend. Morgens öffnen die Rollläden im Wohnbereich, abends schließen sie. Niemand läuft mehr durchs Haus, um jeden einzeln zu bedienen.
Belebtes Haus bei Abwesenheit. Rollläden, die sich im Urlaub zu unterschiedlichen Zeiten bewegen, lassen das Haus bewohnt wirken. Mehr dazu in Einbruchschutz mit Smart Home.
Privatsphäre. Bei Dunkelheit schließen die Rollläden zur Straße hin, bevor das Licht innen angeht.
Welche Automatiken sinnvoll sind
Nicht jede denkbare Automatik ist im Alltag angenehm. Bewährt haben sich diese:
Zeitsteuerung. Feste Zeiten oder an den Sonnenauf- und -untergang gekoppelt. Einfach und für die meisten Räume ausreichend.
Sonnenschutz nach Fassade. Die Rollläden fahren nur auf der Seite herunter, auf die gerade die Sonne scheint, und auch nur, wenn es warm genug ist. Morgens die Ostseite, mittags die Südseite, nachmittags die Westseite.
Schutzfunktionen. Bei Rollläden ist vor allem Frost ein Thema, weil ein festgefrorener Panzer beim Fahren beschädigt werden kann. Bei Raffstores und Markisen kommt Wind als wichtigstes Kriterium hinzu.
Für Sonnen- und Wetterfunktionen braucht es Messwerte von außen. Ob dafür eine eigene Wetterstation nötig ist, haben wir in Lohnt sich eine KNX-Wetterstation? eingeordnet.
Wo Automatik stört
Automatik ist nicht überall erwünscht.
Schlafzimmer. Viele Menschen möchten selbst entscheiden, wann es hell wird. Hier ist ein Taster am Bett oft besser als eine feste Zeit, eventuell ergänzt um eine Weckfunktion, die sich pro Wochentag einstellen lässt.
Kinderzimmer. Schlafenszeiten ändern sich mit dem Alter. Die Automatik muss sich leicht anpassen oder abschalten lassen.
Homeoffice. Wer am Bildschirm arbeitet, will Blendschutz, aber kein dunkles Zimmer. Hier zeigt sich der Vorteil von Raffstores mit verstellbaren Lamellen.
Wichtig ist deshalb, dass jede Automatik vor Ort übersteuerbar bleibt. Wer am Taster drückt, hat Vorrang. Wie das in der Planung sauber gelöst wird, erklären wir ausführlicher in Beschattung automatisieren.
Was bei der Planung festgelegt werden muss
Damit die Automatik später funktioniert, braucht es im Rohbau ein paar Entscheidungen:
- Jeder Rollladen einzeln steuerbar. Rollläden, die gemeinsam an einem Schalter hängen, lassen sich später nicht nach Fassade oder Raum trennen.
- Leitungsführung. Entweder führt jede Motorleitung zum Verteiler, wo die Steuerung zentral sitzt, oder die Steuerung sitzt in der Dose neben dem Fenster. Beides geht, die Entscheidung sollte vor der Installation fallen.
- Fensterkontakte an Terrassen- und Balkontüren, mindestens dort.
- Taster in jedem Raum, gut erreichbar neben dem Fenster oder am Eingang.
- Zentrale Bedienung an der Haustür: alle hoch, alle runter.
Lohnt es sich nun?
Wenn Ihre Rollläden ohnehin elektrisch sind, ist der zusätzliche Aufwand für eine Automatik überschaubar. Der größte Teil der Kosten steckt in Motoren und Leitungen, die Sie sowieso haben. Was dazukommt, sind Steuerung, ein paar Sensoren und die Einrichtung.
Dafür bekommen Sie kühlere Räume im Sommer, ein Haus, das bei Abwesenheit bewohnt wirkt, und weniger Handgriffe im Alltag. Für die meisten Familien ist das ein gutes Verhältnis.
