Eine KNX-Wetterstation ist eines der Geräte, über die im Planungsgespräch am längsten diskutiert wird: Sie ist sichtbar, kostet spürbar Geld und macht im Alltag nichts, was man direkt sieht. Ihr Nutzen zeigt sich erst dort, wo Automatik verlässlich funktionieren soll – bei Beschattung, Markise, Dachfenstern und Bewässerung. Dieser Beitrag ordnet ein, welche Sensoren wirklich gebraucht werden und wann eine Wetterstation sinnvoll ist.
Welche Sensoren eine KNX-Wetterstation liefert
Die meisten Geräte kombinieren mehrere Messwerte in einem Gehäuse und senden sie als Gruppenadressen auf den Bus:
| Sensor | Misst | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Wind | Windgeschwindigkeit in m/s | Schutzfahrt für Raffstore und Markise |
| Regen | Niederschlag (Kontaktfläche) | Dachfenster schließen, Markise einfahren, Bewässerung sperren |
| Helligkeit | Lux, idealerweise drei Richtungen (Ost, Süd, West) | Verschattung nach Himmelsrichtung, Dämmerungsschaltung |
| Außentemperatur | Grad Celsius | Frostschutz, Hitzeschutz, Heizungs- und Lüftungslogik |
| GPS / Funkuhr | Zeit und Position | Exakte Sonnenstandsberechnung, Zeitsynchronisation im Bus |
Der wichtigste Unterschied zwischen günstigen und hochwertigen Geräten liegt bei der Helligkeit: Ein einzelner Sensor misst nur einen Mittelwert über dem Dach. Erst drei Helligkeitssensoren in Ost-, Süd- und Westrichtung erlauben es, die Beschattung fassadenweise zu fahren – die Südseite verschattet, während der Norden offen bleibt.
Was die Wetterstation tatsächlich steuert
Beschattung
Der Hauptzweck. Die Windmessung löst die Schutzfahrt aus: Überschreitet die Geschwindigkeit einen Grenzwert, fahren Raffstoren hoch und werden gesperrt, bis der Wert eine definierte Zeit lang wieder unterschritten ist. Diese Sperre hat immer Vorrang vor jeder Nutzer- oder Komfortfunktion.
Der Komfortteil ist die Verschattungsautomatik: Bei Helligkeit über dem Grenzwert und passendem Sonnenstand fährt die Beschattung auf eine definierte Position, die Lamellen werden nachgeführt. Kombiniert mit Innen- und Außentemperatur lässt sich daraus ein sinnvoller sommerlicher Wärmeschutz bauen – der Effekt auf das Raumklima ist deutlich größer als der jeder Klimaanlage, die man nachträglich einbaut.
Markise
Markisen sind noch windempfindlicher als Raffstoren. Hier gelten in der Regel niedrigere Grenzwerte und längere Wartezeiten vor dem erneuten Ausfahren. Der Regensensor ist bei Markisen faktisch Pflicht: Nasses Tuch, das eingefahren wird, ist ein Schadensfall.
Dachfenster und Lüftung
Motorische Dachfenster gehören zu den Funktionen, bei denen Automatik unmittelbar Geld spart – nämlich das Geld für den Wasserschaden. Regensignal schließt das Fenster, unabhängig davon, ob jemand zu Hause ist. Gleiches gilt für automatisch geöffnete Oberlichter zur Nachtauskühlung.
Bewässerung
Die Gartenbewässerung profitiert von Regen- und Temperaturwert: Nach ergiebigem Regen bleibt der Ventilaktor gesperrt, bei Frost ohnehin. Das ist keine Ersatz-Bodenfeuchtemessung, verhindert aber die offensichtlich sinnlosen Läufe.
Montageort: der halbe Erfolg
Die beste Wetterstation liefert falsche Werte, wenn sie falsch sitzt. Bewährt hat sich:
- frei angeströmt, an der höchsten Gebäudekante oder auf einem Mast, nicht im Windschatten von Dachaufbauten,
- unverschattet von Bäumen, Nachbargebäuden oder der eigenen Dachüberstand-Kante,
- nicht über einer Abluft- oder Kaminöffnung – warme Abluft verfälscht die Temperatur,
- erreichbar für Reinigung: Der Regensensor verschmutzt, Insekten und Laub setzen sich fest,
- mit Leerrohr und Busleitung vom Technikraum aus – deshalb gehört die Wetterstation schon in die Elektro- und KNX-Planung und nicht erst in die Möblierungsphase.
Bei Bestandsgebäuden ist der Leitungsweg oft der begrenzende Faktor. Wenn kein Weg nach oben frei ist, kann eine Funklösung mit KNX-Anbindung ein Kompromiss sein – dann sollte aber klar sein, dass die Schutzfunktion von einer Funkstrecke und deren Batterie abhängt.
Kombigerät oder Einzelsensoren?
| Variante | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Kombi-Wetterstation | Ein Gerät, ein Leitungsweg, eine Parametrierung; Sonnenstand meist integriert | Ein Ausfall trifft alle Funktionen; Kompromiss beim Montageort |
| Einzelsensoren (Windwächter, Regenmelder, Helligkeitssensor) | Jeder Sensor am optimalen Ort; günstiger Einstieg möglich | Mehr Leitungen, mehr Geräte, mehr Parametrieraufwand |
Für Ein- und Zweifamilienhäuser ist das Kombigerät in fast allen Fällen die richtige Wahl. Einzelsensoren lohnen sich, wenn Fassaden sehr unterschiedlich orientiert sind, bei großen Gebäuden mit mehreren Beschattungszonen oder wenn nur eine einzige Schutzfunktion benötigt wird – etwa ein reiner Windwächter für eine Markise.
Kosten realistisch einordnen
Belastbare Preise hängen von Hersteller, Ausstattung und Montageaufwand ab. Als grobe Orientierung aus Projekten – ausdrücklich Erfahrungswerte, keine Angebote:
- einfacher Windwächter oder Regenmelder: unterer bis mittlerer dreistelliger Bereich,
- Kompakt-Wetterstation ohne GPS: mittlerer dreistelliger Bereich,
- Wetterstation mit GPS und drei Helligkeitssensoren: oberer dreistelliger bis niedriger vierstelliger Bereich,
- dazu Montage, Leitungsweg und Programmierung der Beschattungslogik.
Gemessen an den Kosten einer kompletten Raffstoreanlage ist die Wetterstation der kleinere Posten – und der Teil, der darüber entscheidet, ob die Anlage im Alltag automatisch läuft oder manuell bedient wird. Eine allgemeine Einordnung der Gesamtkosten finden Sie unter Was kostet ein KNX-Smart-Home.
Fazit
Eine KNX-Wetterstation ist keine Spielerei, sobald sich draußen etwas bewegt: Raffstoren, Markisen, Dachfenster oder Bewässerung brauchen verlässliche Außenwerte, und die Schutzfunktion vor Windschäden ist ein handfestes Argument. Entscheidend sind drei Punkte – ausreichende Sensorik (bei Beschattung möglichst Helligkeit in drei Richtungen), ein guter Montageort und eine Logik, die Schutzfunktionen unabhängig von Servern und Visualisierungen ausführt. Wir planen und programmieren Beschattungssteuerungen in Velbert, Essen und dem Rheinland, die Parametrierung auch remote.
