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Planung 4 Min. Lesezeit

Wie viele Steckdosen pro Raum? Warum die Frage falsch gestellt ist

Faustregeln für Steckdosen im Neubau helfen nur begrenzt. Was wirklich zählt: wo Sie später stehen, was Sie anschließen und welche Wand in fünf Jahren zur Arbeitswand wird.

Es gibt Tabellen dafür. In der DIN 18015-2 stehen Mindestausstattungen je Raum, und fast jeder Elektrobetrieb hat eine eigene Faustregel im Kopf. Trotzdem ist die Frage „Wie viele Steckdosen brauche ich im Wohnzimmer?" die falsche Frage – und wer sie so stellt, bekommt eine Zahl, die zwei Jahre später nicht mehr passt.

Die bessere Frage lautet: Wo werde ich in diesem Raum stehen, sitzen und arbeiten – und was hängt dann daran?

Was die Norm sagt und was sie nicht sagt

Die DIN 18015-2 kennt drei Ausstattungswerte. Der Mindeststandard sieht im Wohnzimmer eines Einfamilienhauses etwa fünf bis sechs Steckdosenstellen vor, der Komfortstandard deutlich mehr. Diese Werte sind kein Fehler, aber sie sind ein Kompromiss aus einer Zeit, in der ein Wohnzimmer einen Fernseher und eine Stehlampe hatte.

Heute hängen an derselben Wand: Fernseher, Soundbar, Streaming-Box, Router oder Access Point, Ladegeräte, eine Konsole, im Zweifel ein Staubsaugerroboter mit Ladestation. Das sind sieben Verbraucher an einer Wand, während die gegenüberliegende Wand mit zwei Dosen auskommt.

Die Norm verteilt gleichmäßig. Ihr Leben tut das nicht.

Der bessere Weg: Möblierung vor Elektroplanung

Der wirksamste Schritt kostet nichts und wird trotzdem selten gemacht: Zeichnen Sie Ihre Möbel in den Grundriss, bevor Sie über Steckdosen reden.

Nicht ungefähr, sondern konkret. Wo steht das Sofa, wo der Esstisch, auf welcher Seite des Bettes schlafen Sie? Erst wenn das steht, lässt sich sagen, welche Wand eine Medienwand wird und welche hinter einem Schrank verschwindet.

Drei Dinge werden dabei regelmäßig übersehen:

  • Der Bereich hinter dem Sofa. Wenn das Sofa frei im Raum steht, brauchen Sie eine Bodendose oder eine Dose in der Wand dahinter. Nachträglich ist beides aufwendig.
  • Der Esstisch. Wer dort auch arbeitet oder einen Raclette-Abend plant, braucht eine erreichbare Dose – nicht eine, zu der ein Kabel quer durch den Raum läuft.
  • Der Flur. Staubsaugerroboter, Ladestationen, saisonale Beleuchtung. Flure werden fast immer unterversorgt geplant.

Räume, in denen es regelmäßig knapp wird

Küche. Hier ist die Frage nicht die Anzahl, sondern die Aufteilung auf Stromkreise. Wasserkocher, Toaster und Mikrowelle an einem Kreis sind ein zuverlässiger Weg zum ausgelösten Automaten. Planen Sie die Arbeitsfläche mit mehreren Kreisen und denken Sie an die Dose für Dunstabzug, Kaffeevollautomat und den Platz, an dem später vielleicht ein Dampfgarer steht.

Arbeitszimmer und Homeoffice. Zwei Monitore, Dockingstation, Drucker, Ladegeräte, Schreibtischlampe – acht Verbraucher sind hier normal. Dazu mindestens eine Netzwerkdose, besser zwei. WLAN ersetzt keine Leitung für den Rechner, an dem Sie täglich acht Stunden sitzen.

Schlafzimmer. Je Bettseite eine Doppeldose in Nachttischhöhe erspart das Verlängerungskabel unter dem Bett. Das klingt banal, wird aber in fast jeder Standardplanung vergessen.

Außenbereich. Terrasse, Balkon, Garage, Carport, Gartenhaus. Wer hier spart, ärgert sich beim ersten Grillabend und beim ersten Rasenmäher.

Was mehr wert ist als zusätzliche Steckdosen

Wenn das Budget begrenzt ist – und das ist es fast immer – bringen zwei andere Positionen mehr als die zehnte Dose im Wohnzimmer:

Leerrohre. Ein Leerrohr von der Unterverteilung in jedes Geschoss und von dort in die zentralen Räume kostet im Rohbau wenig. Es ist die einzige Position, die spätere Nachrüstungen überhaupt möglich macht – für Netzwerk, für eine Busleitung, für etwas, das es heute noch nicht gibt.

Netzwerkdosen. Sie werden im Neubau immer noch zu selten geplant. Wo ein Fernseher hängt, wo gearbeitet wird und wo später ein Access Point sitzen soll, gehört eine Leitung hin.

Ausreichend Platz in der Verteilung. Ein zu klein gewählter Zählerschrank ist der teuerste Sparposten überhaupt, weil Wärmepumpe, Wallbox und PV nachträglich Platz brauchen.

Die Frage, die Sie Ihrem Elektrobetrieb stellen sollten

Statt nach der Anzahl zu fragen, fragen Sie nach der Begründung:

„Können wir die Elektroplanung einmal gemeinsam am Möblierungsplan durchgehen – Raum für Raum?"

Ein guter Betrieb macht das gern, weil es ihm später Nachträge und Diskussionen erspart. Wenn diese Frage abgewehrt wird, ist das ein Signal.

Kurz zusammengefasst

Es gibt keine richtige Zahl. Es gibt nur eine Planung, die zu Ihrem Leben passt, oder eine, die es nicht tut. Der Unterschied entsteht nicht an der Anzahl der Dosen, sondern an einer Stunde, die Sie sich vor der Auftragsvergabe nehmen – mit dem Möblierungsplan auf dem Tisch.

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