„KNX oder Loxone?" ist eine der meistgestellten Fragen im Hausbau, und sie wird meistens falsch beantwortet – nämlich mit einem Funktionsvergleich. Beide Systeme können Licht schalten, dimmen, Beschattung fahren, Heizung regeln und sich mit einer App bedienen lassen. Wer in dieser Ebene vergleicht, findet keinen belastbaren Unterschied.
Der Unterschied liegt woanders: in der Frage, wovon Sie in fünfzehn Jahren abhängig sind.
Was die beiden Systeme im Kern unterscheidet
KNX ist ein Standard, kein Produkt. Ein Konsortium von Herstellern hat sich auf ein gemeinsames Protokoll geeinigt. Über 500 Hersteller bauen Geräte danach, und die Geräte funktionieren miteinander. Die Programmierung erfolgt mit einer herstellerunabhängigen Software (ETS), die Anlage arbeitet dezentral – jedes Gerät hat seine eigene Logik gespeichert.
Loxone ist ein Produkt eines Herstellers. Zentrale, Erweiterungen und Software kommen aus einer Hand. Die Anlage arbeitet zentral: Der Miniserver steuert, die Peripherie führt aus. Programmiert wird mit der herstellereigenen Software, die kostenlos ist.
Aus diesem Unterschied folgt fast alles andere.
Wo Loxone die Nase vorn hat
Man muss das offen sagen, sonst ist der Vergleich unehrlich:
Einstiegskosten. Ein Loxone-System ist bei gleicher Funktionalität in der Regel günstiger, teils deutlich. Die Software kostet nichts, die Geräte sind auf Preis optimiert.
Geschwindigkeit in der Einrichtung. Ein erfahrener Loxone-Partner ist schneller fertig als ein KNX-Integrator, weil weniger Abstimmung nötig ist.
Verfügbarkeit von Betrieben. In manchen Regionen finden Sie leichter einen Loxone-Partner als einen Betrieb, der KNX sicher beherrscht.
Fertige Funktionen. Vieles, was in KNX zusammengebaut werden muss, ist bei Loxone als Baustein vorhanden.
Wo KNX die Nase vorn hat
Herstellerunabhängigkeit. Wenn ein Hersteller ein Gerät abkündigt, nehmen Sie ein anderes. Bei einem geschlossenen System sind Sie darauf angewiesen, dass der Hersteller weiterhin liefert – und dass es ihn gibt.
Betriebsunabhängigkeit. Das ist in der Praxis der wichtigere Punkt. Ein KNX-Projekt lässt sich von jedem KNX-Integrator übernehmen, weil die ETS-Datei ein offenes Format ist. Sie sind nicht an den Betrieb gebunden, der eingebaut hat.
Dezentralität. Fällt bei KNX ein Gerät aus, arbeitet der Rest weiter. Fällt bei einem zentralen System die Zentrale aus, steht die Anlage.
Langlebigkeit. KNX gibt es seit 1990 (als EIB). Geräte aus den Neunzigern lassen sich mit heutigen kombinieren. Das ist im Techniksektor bemerkenswert.
Die Kostenfrage, ehrlich gerechnet
Der Preisvorteil von Loxone ist real, aber er ist kleiner, als er auf den ersten Blick aussieht – und er verschiebt sich über die Laufzeit.
Bei der Erstinstallation liegt ein vergleichbar ausgestattetes KNX-System oft spürbar über einem Loxone-System. Die Differenz entsteht durch Gerätepreise und den höheren Programmieraufwand.
Über zwanzig Jahre relativiert sich das durch drei Effekte: Erweiterungen sind bei KNX nicht an einen Anbieter gebunden und damit im Wettbewerb. Ein Betriebswechsel ist ohne Systemwechsel möglich. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ein offener Standard in zwanzig Jahren noch unterstützt wird, ist höher als bei einem einzelnen Hersteller.
Ob sich das für Sie rechnet, hängt davon ab, wie lange Sie in dem Haus bleiben wollen.
Wann welches System sinnvoll ist
Für KNX spricht: Sie bauen ein Haus, in dem Sie lange bleiben wollen. Sie legen Wert auf Unabhängigkeit. Das Objekt ist größer oder soll erweiterbar sein. Es geht um Gewerbe, Praxis oder Vermietung.
Für Loxone spricht: Das Budget ist eng und die Funktionalität wichtiger als die Systemfrage. Sie haben einen Partner in der Region, dem Sie vertrauen. Das Objekt ist überschaubar.
Gegen beides spricht: Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Automation überhaupt wollen, ist eine konventionelle Installation mit gut geplanten Leerrohren die ehrlichere Antwort. Nachrüsten ist dann teurer, aber Sie zahlen nicht für etwas, das Sie nicht nutzen.
Was Sie in jedem Fall festhalten sollten
Unabhängig vom System gehören drei Punkte in den Vertrag:
- Sie erhalten die Projektdatei – bei KNX das ETS-Projekt, bei Loxone das Konfigurationsfile. Ohne Passwortsperre.
- Sie erhalten eine Dokumentation, aus der hervorgeht, welche Funktion wo liegt.
- Es ist geklärt, wer die Anlage erweitern kann – und ob Sie dafür an den ausführenden Betrieb gebunden sind.
Diese drei Punkte entscheiden über die Abhängigkeit mehr als die Systemwahl selbst.
