Die Adressstruktur ist die Entscheidung, die man einmal trifft und danach zwanzig Jahre trägt. Sie lässt sich zwar nachträglich ändern, aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis – jede Änderung bedeutet erneutes Programmieren aller beteiligten Geräte.
Es gibt keine objektiv richtige Struktur. Es gibt drei etablierte Ansätze, die je nach Objekt unterschiedlich gut funktionieren.
Struktur 1: Gewerkorientiert
Die Hauptgruppe steht für das Gewerk, die Mittelgruppe für die Funktionsart, die Untergruppe für den konkreten Ort.
0/x/y Zentralfunktionen
1/x/y Beleuchtung
2/x/y Beschattung
3/x/y Heizung / Klima
4/x/y Steckdosen / Lasten
5/x/y Sicherheit
6/x/y Messwerte / Energie
Innerhalb der Beleuchtung dann:
1/0/y Schalten
1/1/y Dimmen relativ
1/2/y Dimmwert
1/3/y Statusrückmeldung
Wann sie trägt: Bei den meisten Wohnbauten und kleineren Gewerbeobjekten. Sie ist die verbreitetste Struktur, und das hat einen praktischen Grund: Wer ein fremdes Projekt öffnet, findet sich sofort zurecht.
Wo sie an Grenzen kommt: Bei sehr großen Objekten mit vielen Geschossen. Die Untergruppe hat 256 Werte – bei 200 Lichtkreisen über acht Etagen wird es eng, und die Zuordnung zum Raum geht verloren.
Struktur 2: Gebäudeorientiert
Die Hauptgruppe steht für das Geschoss oder den Gebäudeteil.
0/x/y Zentral / übergreifend
1/x/y Untergeschoss
2/x/y Erdgeschoss
3/x/y Obergeschoss
4/x/y Dachgeschoss
5/x/y Außenanlagen
Die Mittelgruppe übernimmt dann das Gewerk, die Untergruppe den Raum und die Funktion.
Wann sie trägt: Bei größeren Objekten, bei denen Geschosse getrennt in Betrieb genommen oder erweitert werden – Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude, Hotels. Der Vorteil: Ein ganzes Geschoss lässt sich isoliert betrachten.
Wo sie an Grenzen kommt: Bei gewerkübergreifenden Funktionen. Eine Zentralfunktion „alles aus" liegt dann quer zur Struktur, und Messwerte oder Energiedaten passen nirgends richtig hin.
Struktur 3: Gemischt, mit klarer Regel
In der Praxis am häufigsten – und zugleich der Ansatz mit dem größten Risiko. Er funktioniert nur, wenn die Mischung einer dokumentierten Regel folgt.
Ein tragfähiges Muster: Hauptgruppen 0 bis 7 gewerkorientiert für alles, was das ganze Gebäude betrifft, Hauptgruppen 8 bis 15 gebäudeorientiert für geschossbezogene Funktionen. Die Regel gehört als Kommentar ins Projekt.
Wann sie trägt: Bei Objekten, die beides brauchen – etwa ein Wohnhaus mit angeschlossener Praxis oder Einliegerwohnung.
Wo sie scheitert: Immer dann, wenn die Regel nur im Kopf des Projektierenden existiert. Dann wird aus der gemischten Struktur die gewachsene Struktur, und die ist die schlechteste von allen.
Woran Sie merken, dass die Struktur nicht mehr passt
Drei Anzeichen, die in der Praxis regelmäßig auftreten:
Sie legen eine neue Adresse an und wissen nicht, wohin. Wenn eine Funktion in zwei Hauptgruppen passen würde, fehlt eine Regel.
Sie suchen länger als eine Minute nach einer bekannten Funktion. Bei einer guten Struktur wissen Sie, wo Sie nachsehen müssen, bevor Sie suchen.
Sie legen eine „Sonstiges"-Hauptgruppe an. Das ist der Moment, in dem die Struktur aufgegeben wird. Danach wächst dort alles hinein.
Praktische Empfehlungen
Vor dem ersten Gerät entscheiden. Die Struktur gehört in die Planungsphase, nicht in die Inbetriebnahme.
Lücken lassen. Adressbereiche nicht lückenlos vergeben. Wer bei jeder Funktionsgruppe zehn bis zwanzig Prozent frei lässt, kann später einfügen statt anhängen.
Statusadressen mitplanen. Sie werden gern vergessen und später irgendwo angehängt. Ein eigener Bereich je Gewerk spart Ärger.
Die Regel dokumentieren. Ein Kommentar im ETS-Projekt, der die Struktur in fünf Zeilen erklärt, ist die billigste Dokumentation überhaupt – und die, die im Ernstfall am meisten hilft.
Beim Kunden hinterlegen. Die Struktur gehört in die Übergabedokumentation. Wer die Anlage in zehn Jahren erweitert, dankt es.
