Sie haben getan, was alle raten: drei Angebote eingeholt. Das erste liegt bei 24.000 Euro, das zweite bei 31.000, das dritte bei 42.000. Und jetzt?
Der naheliegende Schluss – das erste ist günstig, das dritte überteuert – ist fast immer falsch. In den allermeisten Fällen bieten die drei Betriebe schlicht nicht dasselbe an.
Warum die Spannen so groß sind
Unterschiedliche Stückzahlen. Betrieb A kalkuliert 95 Schalter- und Steckdosenstellen, Betrieb C rechnet mit 140. Beide haben denselben Grundriss gesehen, aber unterschiedliche Annahmen über die Ausstattung getroffen.
Unterschiedlicher Leistungsumfang. Bei einem sind Leerrohre, Netzwerkverkabelung und Außensteckdosen drin, beim anderen nicht. Das steht selten fett gedruckt da – es fehlt einfach.
Unterschiedliche Interpretation von „Smart Home". Wenn im Bauvertrag „Vorbereitung für Smart Home" steht, kann das ein Leerrohr sein oder eine vollständige KNX-Installation.
Unterschiedliche Behandlung offener Positionen. Der eine führt Stemmarbeiten als Pauschale, der andere „nach Aufwand". Das eine Angebot sieht teurer aus und ist am Ende günstiger.
Unterschiedliche Materialqualität. Standard-Schalterprogramm oder Designserie – bei 100 Stellen macht das mehrere tausend Euro.
Wie Sie Vergleichbarkeit herstellen
Es gibt genau einen Weg: Alle bekommen dieselbe Grundlage.
Das kann eine Funktionsliste sein, ein Raumbuch oder eine Ausstattungsbeschreibung – Hauptsache, es ist dasselbe Dokument für alle drei. Darin steht, was in jedem Raum passieren soll, ohne Marken und ohne Preisvorgaben.
Wenn Sie das nicht haben, gibt es einen zweitbesten Weg: Fordern Sie von allen drei Betrieben dieselben Angaben nach.
- Anzahl der Schalter-, Steckdosen-, Licht- und Datenstellen
- Welche Leerrohrtrassen enthalten sind
- Welche Reserve in Zählerschrank und Unterverteilung vorgesehen ist
- Welche Positionen als „nach Aufwand" geführt werden, mit realistischer Schätzung
- Bei Automation: ob Programmierung und Inbetriebnahme enthalten sind
Mit diesen fünf Angaben lassen sich drei Angebote in einer halben Stunde auf einen gemeinsamen Nenner bringen.
Die Rechnung, die niemand aufmacht
Ein Beispiel, wie es typischerweise ausgeht:
| Angebot A | Angebot C | |
|---|---|---|
| Endsumme | 24.000 € | 42.000 € |
| Schalter-/Steckdosenstellen | 95 | 140 |
| Netzwerkdosen | 2 | 12 |
| Leerrohre über Pflicht hinaus | nein | ja |
| Zuleitung Garage | nein | ja |
| Reserve Zählerschrank | knapp | großzügig |
| Automation | nein | KNX Grundausbau |
Wenn Sie Angebot A auf denselben Umfang bringen, landen Sie erfahrungsgemäß in derselben Größenordnung wie C – nur dass die Ergänzungen dann als Nachträge kommen und nicht im Wettbewerb stehen.
Das heißt nicht, dass C automatisch besser ist. Es heißt, dass die 18.000 Euro Differenz keine Preisdifferenz sind.
Wo Preisunterschiede echt sind
Nach der Bereinigung bleiben reale Unterschiede übrig, und die haben nachvollziehbare Gründe:
- Auslastung. Ein Betrieb mit vollen Büchern kalkuliert anders als einer, der Arbeit sucht.
- Einkaufskonditionen. Größere Betriebe kaufen günstiger ein.
- Kalkulationsstil. Manche rechnen Risiko ein, andere kalkulieren knapp und stellen Nachträge.
- Region. Zwischen Ballungsraum und ländlichem Gebiet liegen bei Stundensätzen spürbare Unterschiede.
Diese Differenzen bewegen sich in der Regel im Bereich von zehn bis zwanzig Prozent – nicht im Bereich einer Verdoppelung.
Worauf Sie sonst noch achten sollten
Der Preis ist nicht das einzige Kriterium, und bei Elektroarbeiten oft nicht das wichtigste:
Erreichbarkeit. Wie lange hat der Betrieb auf Ihre Anfrage gebraucht? So wird es auch während der Bauzeit sein.
Bereitschaft, die Planung durchzugehen. Ein Betrieb, der sich eine Stunde Zeit für den Möblierungsplan nimmt, spart Ihnen später mehr, als er in dieser Stunde kostet.
Umgang mit Rückfragen. Wer auf sachliche Fragen ausweichend reagiert, wird das bei einem Mangel auch tun.
Dokumentation. Fragen Sie, was Sie am Ende bekommen. Bei Automation: Wem gehört die Projektdatei?
