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Planung 4 Min. Lesezeit

Funktionsliste: Warum sie vor das Angebot gehört

Ohne definierte Funktionen bietet jeder Elektrobetrieb etwas anderes an. Wie eine Funktionsliste entsteht, was hineingehört und warum sie Nachträge verhindert.

Wenn drei Elektrobetriebe ein Haus mit Gebäudeautomation anbieten, bekommen Sie drei Angebote, die sich nicht vergleichen lassen. Nicht weil einer unseriös wäre, sondern weil „Smart Home" keine Leistungsbeschreibung ist. Jeder legt hinein, was er für sinnvoll hält – und die Differenz zwischen dem sparsamsten und dem umfassendsten Angebot kann fünfstellig sein.

Die Lösung ist unspektakulär: Schreiben Sie vorher auf, was passieren soll.

Was eine Funktionsliste ist

Eine Funktionsliste beschreibt Raum für Raum, welche Funktionen vorhanden sein sollen und wie sie sich verhalten. Sie beschreibt Verhalten, nicht Technik. Es steht nicht drin, welcher Aktor verbaut wird – es steht drin, was passieren soll.

Ein Beispiel für das Wohnzimmer:

Beleuchtung: Deckenlicht dimmbar, zwei Kreise (Sitzbereich, Essbereich). Zusätzlich eine schaltbare Steckdose für Stehleuchte. Bedienung am Taster neben der Tür und über App.

Beschattung: Raffstore an beiden Fenstern, gemeinsam und einzeln fahrbar. Automatik: fährt bei starker Sonne herunter, wenn niemand im Raum ist. Windwächter hat Vorrang.

Heizung: Fußbodenheizung, Einzelraumregelung mit Temperaturfühler am Taster. Absenkung nachts.

Szenen: „Fernsehen" – Deckenlicht auf 20 %, Stehleuchte an, Raffstore zu. „Verlassen" – alles aus, Beschattung nach Sonnenstand.

Das sind sechs Zeilen, aus denen jeder Elektrobetrieb kalkulieren kann. Ohne sie rät er.

Warum die Reihenfolge wichtig ist

Der übliche Ablauf ist: Angebot einholen, Angebot vergleichen, beauftragen, im Bauverlauf merken, dass etwas fehlt, nachbestellen. Der Nachtrag steht dann nicht mehr im Wettbewerb – der Betrieb ist beauftragt, es gibt keine Alternative mehr, und die Preise sind entsprechend.

Mit Funktionsliste dreht sich das um: Was in der Liste steht, ist kalkuliert. Was später dazukommt, ist eine bewusste Erweiterung, keine Überraschung.

Was in die Liste gehört

Für jeden Raum die immer gleichen Blöcke:

Beleuchtung. Wie viele Kreise, welche schaltbar, welche dimmbar, wo bedient. Denken Sie an Spiegelbeleuchtung im Bad, Arbeitsplatzlicht in der Küche und den Schrankinnenraum.

Beschattung. Rollladen oder Raffstore, einzeln oder in Gruppen, mit oder ohne Automatik. Automatik braucht eine Regel: Wann fährt sie? Bei welcher Helligkeit? Was passiert, wenn jemand im Raum ist?

Heizung und Kühlung. Einzelraumregelung ja oder nein, wo sitzt der Fühler, gibt es eine Nachtabsenkung, wie wird auf Fensteröffnung reagiert.

Steckdosen und Anschlüsse. Welche sollen schaltbar sein, wo braucht es Netzwerk, wo eine Zuleitung für ein bestimmtes Gerät.

Bedienung. Wo Taster, wo Display, was per App, was per Sprache. Und: Was muss auch dann funktionieren, wenn die Technik ausfällt?

Sicherheit. Rauchwarnmelder, Bewegungsmelder außen, Türkommunikation, Alarmanlage.

Szenen und Automatik. Der Teil, der am meisten Nutzen bringt und am seltensten vorher aufgeschrieben wird: Was passiert beim Verlassen des Hauses, beim Nachhausekommen, nachts, im Urlaub?

Was nicht hineingehört

Keine Gerätemarken. Sobald ein Hersteller in der Liste steht, kalkuliert jeder Betrieb mit dessen Preisen – und Sie verlieren den Einkaufsvorteil des Betriebs.

Keine Artikelnummern. Dieselbe Begründung.

Keine Vorgaben zur Ausführung. Wie die Leitung verlegt wird, entscheidet der Betrieb.

Keine Preisvorstellungen. Die Liste beschreibt, was Sie wollen. Was es kostet, sagt der Markt.

Wie Sie anfangen

Nehmen Sie sich einen Abend und gehen Sie mit dem Grundriss Raum für Raum durch. Zwei Fragen genügen als Einstieg:

  1. Was mache ich in diesem Raum – morgens, abends, am Wochenende?
  2. Was soll dabei automatisch passieren, und was will ich selbst schalten?

Fast alle Funktionen ergeben sich aus diesen beiden Fragen. Was Sie nicht beantworten können, markieren Sie – das sind die Punkte, an denen ein Gespräch mit einem Fachmann sinnvoll ist.

Kurz zusammengefasst

Eine Funktionsliste kostet Sie einen Abend und macht drei Angebote vergleichbar. Sie ist die einzige Unterlage, die verhindert, dass Sie Endsummen statt Leistungen vergleichen – und sie verlagert Entscheidungen dorthin, wo sie noch nichts kosten.

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