Die Elektroinstallation macht bei einem Einfamilienhaus je nach Ausstattung zwischen drei und acht Prozent der Bausumme aus. Das klingt überschaubar – bis man die absolute Zahl sieht. Bei einem Haus für 500.000 Euro sind das 15.000 bis 40.000 Euro, und mit Gebäudeautomation deutlich mehr.
Diese Spanne ist der Grund, warum Angebote so schwer einzuordnen sind. Hier steht, woraus sie sich zusammensetzt.
Die Kostenblöcke
Installation, etwa 55 bis 65 Prozent. Leitungen, Dosen, Schalter, Steckdosen, der Aufwand für Schlitze, Bohrungen und Montage. Dieser Block skaliert direkt mit der Anzahl der Stellen.
Verteilung und Zählerschrank, etwa 10 bis 15 Prozent. Zählerschrank, Unterverteilung, Absicherung, FI-Schutzschalter, Überspannungsschutz, Potentialausgleich und Erdung.
Leuchten und Geräte, stark schwankend. In vielen Angeboten nicht enthalten – der Lichtauslass ist kalkuliert, die Leuchte nicht. Prüfen Sie das.
Inbetriebnahme und Dokumentation, etwa 5 Prozent. Messungen, Prüfprotokoll, Anmeldung beim Netzbetreiber, Übergabe.
Gebäudeautomation, falls vorgesehen. Kommt als eigener Block dazu, siehe unten.
Was den Preis nach oben treibt
Die Anzahl der Stellen. Der stärkste Hebel überhaupt. Jede zusätzliche Schalter- oder Steckdosenstelle kostet Material und Zeit.
Massivbau gegenüber Trockenbau. Schlitze in Beton oder Kalksandstein kosten deutlich mehr Zeit als eine Leitung in einer Ständerwand.
Verteilte Technik. Wärmepumpe, PV, Speicher, Wallbox und Lüftungsanlage brauchen jeweils eigene Zuleitungen, Absicherungen und Platz in der Verteilung.
Sonderwünsche in der Beleuchtung. Lichtvouten, indirekte Beleuchtung und viele einzeln schaltbare Kreise erhöhen den Aufwand überproportional.
Gebäudeautomation. Sowohl durch Gerätepreise als auch durch die Programmierung, die als Arbeitszeit anfällt.
Wo Sparen sich rächt
Es gibt Positionen, bei denen eine Einsparung heute mit einem Vielfachen später bezahlt wird:
Zu kleiner Zählerschrank. Wenn in drei Jahren Wallbox und PV dazukommen und kein Platz ist, wird der Schrank getauscht – ein Tag Arbeit plus erneute Anmeldung.
Fehlende Leerrohre. Die einzige Position, die spätere Nachrüstung überhaupt ermöglicht. Kostet im Rohbau wenig.
Zu wenige Stromkreise in der Küche. Führt zu ausgelösten Automaten im Alltag und ist nachträglich nur mit neuen Leitungen zu beheben.
Netzwerkverkabelung. Wird gern gestrichen, weil „es gibt ja WLAN". Nachträglich ist jede Datendose ein Eingriff in die Wand.
Außenanschlüsse. Terrasse, Garage, Garten. Nachträglich bedeutet oft graben.
Wo Sparen unproblematisch ist
Damit es fair bleibt – es gibt auch Positionen, die man ruhig zurückstellen kann:
- Leuchten. Der Auslass muss sitzen, die Leuchte kann später kommen.
- Design-Schalterprogramme. Der Unterschied zwischen Standard und Design summiert sich bei 80 Stellen erheblich. Schalter lassen sich später tauschen, Dosen nicht versetzen.
- Visualisierung und Bedienpanels. Können nachgerüstet werden, wenn die Infrastruktur steht.
- Einzelne Automatikfunktionen. Bei KNX ist Programmierung nachrüstbar, solange die Geräte verbaut sind.
Die Faustregel dahinter: Alles, was in der Wand liegt, jetzt. Alles, was davorsitzt, kann warten.
Der Umgang mit Angeboten
Holen Sie zwei bis drei Angebote ein, aber auf derselben Grundlage. Ohne definierte Funktionen vergleichen Sie Endsummen unterschiedlicher Leistungen – dazu mehr in unserem Beitrag zur Funktionsliste.
Fragen Sie bei jedem Angebot nach den Stückzahlen, nach der Reserve im Zählerschrank und danach, was bewusst nicht enthalten ist.
