Wer ein- bis zweimal im Jahr projektiert, arbeitet in der ETS meist so, wie er es im Grundkurs gelernt hat. Das funktioniert, kostet aber Zeit – vor allem bei den Arbeitsschritten, die sich wiederholen.
Fünf Funktionen, die vorhanden sind und den Aufwand spürbar senken.
1. Gruppenadressen aus Excel importieren
Die Adressvergabe ist der langweiligste und fehleranfälligste Teil der Projektierung. Statt jede Adresse einzeln anzulegen, lässt sich die komplette Struktur in einer Tabelle aufbauen und importieren.
Vorgehen: Struktur in Excel oder LibreOffice anlegen – Hauptgruppe, Mittelgruppe, Untergruppe, Name, Datenpunkttyp. Als CSV speichern, in der ETS über den Import einlesen.
Zeitersparnis: Bei 300 Adressen mehrere Stunden. Und die Struktur ist konsistent, weil sie in der Tabelle entstanden ist und nicht nebenbei.
Nebeneffekt: Die Tabelle ist gleichzeitig ein Teil der Dokumentation.
2. Vorlagenprojekte statt Neuanlage
Wenn Sie mehrere ähnliche Objekte projektieren – Einfamilienhäuser, Wohnungen in einer Anlage –, lohnt ein Vorlagenprojekt: Adressstruktur, Standardgeräte, Standardparametrierung, Logikbausteine.
Für ein neues Projekt wird die Vorlage kopiert und angepasst, statt bei null zu beginnen.
Zeitersparnis: Bei ähnlichen Objekten ein halber Tag pro Projekt.
Voraussetzung: Die Vorlage muss gepflegt werden. Eine veraltete Vorlage mit abgekündigten Geräten kostet mehr Zeit, als sie spart.
3. Massenbearbeitung der Parameter
Wenn zwanzig Kanäle eines Schaltaktors identisch parametriert werden sollen, muss das nicht zwanzigmal passieren. Die ETS erlaubt die Mehrfachauswahl von Kanälen und Geräten – Parameter werden dann gemeinsam gesetzt.
Das funktioniert auch geräteübergreifend, wenn es sich um denselben Gerätetyp handelt.
Zeitersparnis: Bei größeren Anlagen erheblich, und die Konsistenz steigt.
4. Der Gruppenmonitor als Arbeitswerkzeug, nicht als Notfallinstrument
Die meisten öffnen den Gruppenmonitor erst, wenn etwas nicht funktioniert. Dabei ist er während der Inbetriebnahme das wichtigste Kontrollinstrument.
Praktisch: Monitor mitlaufen lassen, während Sie Funktionen durchtesten. Sie sehen sofort, ob ein Telegramm ankommt, ob eine Statusrückmeldung erfolgt und ob ein zweiter Teilnehmer dazwischenfunkt.
Für schwer reproduzierbare Fehler: Aufzeichnung über mehrere Stunden laufen lassen und als Datei speichern. Sporadische Fehler sind im Protokoll eindeutig, im Live-Betrieb reproduziert man sie oft stundenlang nicht.
5. Projektvergleich vor Änderungen an Bestandsanlagen
Wenn Sie in ein Projekt zurückkehren, das Sie länger nicht angefasst haben oder das jemand anderes bearbeitet hat: Erst prüfen, ob das Projekt dem Anlagenzustand entspricht.
Die ETS kann Geräte auslesen und mit dem Projektstand vergleichen. Abweichungen bedeuten, dass jemand programmiert hat, ohne das Projekt zu pflegen – und dass Ihr Projektstand nicht die Wahrheit ist.
Warum das wichtig ist: Wer auf Basis eines veralteten Projekts programmiert, überschreibt Funktionen, die jemand bewusst geändert hat. Das fällt beim Kunden auf, nicht bei Ihnen.
Was sich nicht durch Werkzeuge lösen lässt
Der größte Zeitfaktor in der Projektierung ist keine Softwarefrage: Es ist die fehlende Funktionsliste.
Wer ohne definierte Funktionen anfängt, parametriert auf Vermutung, ändert nach dem ersten Kundengespräch und noch einmal nach der Inbetriebnahme. Diese Schleifen kosten mehr Zeit als alle fünf Handgriffe zusammen einsparen.
Eine Stunde Funktionsklärung vor dem ersten Gerät spart erfahrungsgemäß einen halben Tag Nacharbeit.
