Es gibt im Hausbau wenige Positionen, bei denen das Verhältnis zwischen heutigen Kosten und späterem Nutzen so eindeutig ist wie bei Leerrohren. Ein Meter Leerrohr kostet im Rohbau wenige Euro. Dieselbe Verbindung nachträglich herzustellen, bedeutet Stemmen, Staub, Verputzen, Malern – und in bewohnten Räumen mehrere Tage Einschränkung.
Trotzdem werden Leerrohre in Standardangeboten selten großzügig vorgesehen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil sie in keiner Norm als Pflicht stehen und der Bauherr sie nicht nachfragt.
Warum Leerrohre die einzige echte Zukunftssicherung sind
Alles andere in der Elektroinstallation ist eine Entscheidung für heute: Diese Steckdose, dieser Schalter, dieses Gerät. Ein Leerrohr ist eine Entscheidung für später. Es legt nicht fest, was hindurchläuft – nur, dass überhaupt etwas hindurchlaufen kann.
Das ist deshalb so wertvoll, weil sich die Anforderungen an ein Haus schneller ändern als seine Substanz. Vor zehn Jahren war eine Wallbox exotisch, ein Access Point pro Etage übertrieben und eine Wärmepumpe die Ausnahme. Wer damals Leerrohre gelegt hat, konnte nachrüsten. Wer nicht, musste stemmen.
Die Trassen, die sich fast immer lohnen
Von der Unterverteilung in jedes Geschoss. Mindestens ein großzügig dimensioniertes Rohr, besser zwei. Das ist die Hauptschlagader für alles, was später dazukommt.
Zur Garage, zum Carport, zum Stellplatz. Auch wenn heute kein E-Auto geplant ist. Zwei Rohre: eines für die Ladeleitung, eines für Daten und Steuerung.
Zum Dachboden oder zum technischen Raum. Für PV-Anbindung, Antennentechnik, Access Points, spätere Sensorik.
In die zentralen Wohnräume. Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Küche. Von der Verteilung aus, für Netzwerk oder Bus.
Vom Hausanschlussraum nach außen. Für Gartensteckdosen, Beleuchtung, Kamera, Torantrieb, ein Gartenhaus.
Zwischen Verteilung und Zählerschrank. Klingt selbstverständlich, wird aber knapp geplant – und ist genau die Stelle, an der Wärmepumpe, PV und Wallbox später zusätzliche Adern brauchen.
Worauf es bei der Ausführung ankommt
Ein Leerrohr, das man nicht nutzen kann, ist kein Leerrohr. Drei Punkte entscheiden:
Durchmesser. M25 ist ein brauchbarer Standard für Wohnräume, für Hauptrassen eher M32 oder größer. Zu enge Rohre lassen sich später nicht mehr belegen, besonders wenn schon eine Leitung drinliegt.
Zugdraht. Jedes Leerrohr sollte mit einem Zugdraht versehen sein. Ohne ihn ist das Einziehen einer Leitung durch mehrere Bögen Glücksache.
Bögen und Länge. Je mehr Richtungswechsel, desto schwerer wird das Einziehen. Bei langen Strecken lieber eine Abzweigdose als Zwischenstation einplanen.
Dokumentation. Ein Rohr, von dem niemand mehr weiß, wo es endet, nützt wenig. Ein Foto der offenen Wand vor dem Verputzen ist die billigste Dokumentation, die es gibt – machen Sie es selbst, wenn es niemand anderes tut.
Was Sie sich sparen können
Nicht jede Trasse lohnt sich. Übertreiben kostet Geld ohne Gegenwert:
- Leerrohre in Innenwände ohne Ziel. Ein Rohr, das in einer Wand endet, an der nie etwas hängen wird, ist verlorenes Material.
- Rohre in jedes Zimmer für alles. Zwei durchdachte Trassen sind mehr wert als zwölf, die niemand zuordnen kann.
- Übergroße Dimensionen im Nebenraum. M32 in die Abstellkammer ist Verschwendung.
Die Frage an Ihren Elektrobetrieb
„Welche Leerrohrtrassen sind im Angebot enthalten – und was würde es kosten, zusätzlich eine Trasse zur Garage und eine in jedes Geschoss vorzusehen?"
Die Antwort ist meist ein überschaubarer Betrag. Und Sie haben die Entscheidung dann bewusst getroffen, statt sie zu übergehen.
Kurz zusammengefasst
Leerrohre sind die günstigste Versicherung im Hausbau. Sie kosten dreistellig und ersparen vierstellige Nachrüstkosten. Wer beim Elektroangebot eine Position streichen will, sollte es nicht diese sein.
