Kein Raum im Haus verändert sich so stark wie das Kinderzimmer. Heute steht dort ein Wickeltisch, in ein paar Jahren eine Spielecke, später ein Schreibtisch mit Computer und irgendwann vielleicht ein Gästebett oder ein Homeoffice. Die Elektroplanung wird aber nur einmal gemacht, meist mit dem Babyzimmer im Kopf.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie das Kinderzimmer so planen, dass es alle Phasen mitmacht, ohne dass später die Wände geöffnet werden müssen.
Die Phasen eines Kinderzimmers
Es hilft, sich die Nutzung über die Jahre vorzustellen:
- Babyzeit: Wickeltisch, Babyfon, gedimmtes Nachtlicht, angenehme Temperatur.
- Kleinkind und Grundschule: Spielfläche auf dem Boden, Leselampe am Bett, Sicherheit an den Steckdosen.
- Jugendzimmer: Schreibtisch, Computer, Konsole, Fernseher, viele Ladegeräte.
- Danach: Arbeitszimmer, Gästezimmer oder Hobbyraum.
Jede Phase braucht Strom an anderen Stellen. Die gute Nachricht: Wer die späteren Phasen gleich mitdenkt, hat für die frühen fast immer genug.
Steckdosen: an mehreren Wänden
Im Kinderzimmer wechselt die Möblierung öfter als anderswo. Deshalb sollten Steckdosen nicht nur an einer Wand sitzen. Bewährt haben sich:
- Doppeldosen an mindestens zwei möglichen Bettpositionen, damit das Bett später umziehen kann.
- Eine Mehrfachdose an der Wand, an der ein Schreibtisch stehen könnte. Ein Jugendzimmer hat schnell so viele Verbraucher wie ein Büro.
- Eine Dose in Wickeltischhöhe, die später für eine Schreibtischlampe oder ein Regal genutzt wird.
Für die Sicherheit kleiner Kinder sind Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz die bessere Wahl als nachträglich eingesteckte Kindersicherungen. Den Grundgedanken, Steckdosen am Möblierungsplan auszurichten, erklärt unser Beitrag Wie viele Steckdosen pro Raum?.
Licht: hell, gedimmt und flexibel
Kinder brauchen je nach Alter ganz unterschiedliches Licht. Babys schlafen besser bei sehr gedämpftem Licht, Schulkinder brauchen gutes Licht zum Lesen und Lernen.
Sinnvoll sind deshalb:
- Dimmbares Deckenlicht. Für nächtliches Wickeln oder Trösten reicht eine sehr niedrige Helligkeit, die niemanden richtig weckt.
- Ein Lichtauslass oder eine schaltbare Steckdose am Bett für eine Leselampe.
- Ein Orientierungslicht, etwa ein schwaches Licht im Flur, das nachts den Weg zum Bad zeigt.
Mit KNX lassen sich solche Wünsche über die Programmierung anpassen, wenn das Kind älter wird. Das Nachtlicht von heute wird später einfach umgestellt. Wie gutes Dimmen funktioniert, steht in DALI oder KNX-Dimmaktor?.
Taster, die Kinder bedienen können
Ein Taster sollte für Kinder erreichbar und verständlich sein. Planen Sie die Höhe nicht zu hoch und die Belegung einfach: oben Licht an, unten Licht aus. Komplexe Szenen gehören eher in den Elternbereich.
Bei einem Smart Home lässt sich die Belegung später ändern. Ein Taster, der heute nur das Licht schaltet, kann im Jugendzimmer auch den Rollladen oder eine Szene „Lernen“ steuern, ohne dass ein neues Gerät nötig ist.
Heizung und Rollläden
Eine eigene Temperaturregelung im Kinderzimmer ist sinnvoll, weil Kinder oft anders schlafen als Erwachsene. Rollläden mit eigenem Antrieb und eigenem Aktorkanal erlauben später Zeitpläne, etwa sanftes Hochfahren am Morgen.
Wer Kinderzimmer im Dachgeschoss plant, sollte Beschattung früh mitdenken. Dort wird es im Sommer schnell warm, und eine automatische Beschattung hilft spürbar beim Schlafen.
Reserve für das, was noch kommt
Niemand weiß, welche Geräte in fünfzehn Jahren im Kinderzimmer stehen. Deshalb lohnt sich ein Leerrohr vom Verteiler in den Raum. Damit lässt sich später eine weitere Leitung einziehen, ohne zu stemmen. Warum das so wertvoll ist, beschreibt Leerrohre im Neubau.
Kurz zusammengefasst
Planen Sie das Kinderzimmer nicht für das Baby, sondern für das Jugendzimmer und die Zeit danach. Steckdosen an mehreren Wänden, eine Netzwerkdose am Schreibtischplatz, dimmbares Licht, eine eigene Temperaturregelung und ein Leerrohr als Reserve. So wächst der Raum mit, und Sie müssen später nichts aufstemmen.
