Für viele Bauherren ist das Arbeitszimmer heute kein Extra mehr, sondern ein fester Raum im Grundriss. Hier wird jeden Tag mehrere Stunden gearbeitet, mit Bildschirm, Videokonferenz und manchmal einem zweiten Arbeitsplatz. Trotzdem wird das Homeoffice in der Elektroplanung oft wie ein Gästezimmer behandelt: ein Deckenauslass, zwei Steckdosen, fertig.
Dieser Beitrag zeigt, was ein Arbeitszimmer im Neubau elektrisch braucht und wo ein Smart Home den Arbeitsalltag angenehmer macht.
Zuerst den Schreibtisch festlegen
Wie in jedem Raum entscheidet die Möblierung über die Elektroplanung. Im Arbeitszimmer ist das besonders wichtig, weil der Schreibtisch der Ort ist, an dem fast alle Anschlüsse gebraucht werden.
Für die Position gilt eine einfache Regel: Der Bildschirm steht am besten so, dass das Tageslicht von der Seite kommt. Mit dem Rücken zum Fenster spiegelt sich das Licht im Bildschirm, mit dem Gesicht zum Fenster blendet es. Legen Sie deshalb früh fest, an welcher Wand der Schreibtisch steht. Planen Sie wenn möglich auch eine zweite Position mit, falls Sie später umstellen oder ein zweiter Arbeitsplatz dazukommt.
Steckdosen und Netzwerk am Arbeitsplatz
Am Schreibtisch kommen schnell viele Geräte zusammen: Rechner oder Laptop mit Dockingstation, ein oder zwei Bildschirme, Schreibtischleuchte, Drucker, Telefon, Ladegeräte. Steckdosenleisten unter dem Tisch sind zwar üblich, aber selten schön.
| Anschluss | Empfehlung | Hinweis |
|---|---|---|
| Steckdosen am Schreibtisch | 2 Dreifach- oder Vierfachsteckdosen | knapp über Tischhöhe oder darunter, je nach Möbel |
| Netzwerkdosen | 2 Anschlüsse | Rechner und zweites Gerät, etwa Drucker oder Telefon |
| Steckdose für Drucker oder Regal | 1 Doppelsteckdose | nicht direkt am Schreibtisch |
| Zweite Schreibtischposition | Steckdosen und 1 Netzwerkdose | Reserve für später |
Ein höhenverstellbarer Schreibtisch braucht selbst eine Steckdose. Achten Sie darauf, dass die Kabel beim Hochfahren lang genug sind.
Für Videokonferenzen ist eine kabelgebundene Netzwerkverbindung stabiler als WLAN. Deshalb gehört an den Schreibtisch mindestens eine Netzwerkdose. Warum sich Anschlüsse nach Nutzung statt nach Faustregel planen lassen, beschreibt Wie viele Steckdosen pro Raum?.
Licht für Bildschirmarbeit
Am Bildschirm braucht man gleichmäßiges, blendfreies Licht. Ein einzelner Deckenstrahler direkt über dem Schreibtisch spiegelt sich leicht im Monitor. Besser geeignet sind:
- Eine flächige Deckenleuchte oder indirektes Licht, das den Raum gleichmäßig aufhellt.
- Eine Schreibtischleuchte für Papierarbeit, über eine Steckdose am Tisch.
- Gedimmtes Licht hinter dem Bildschirm, etwa ein LED-Band, das den Kontrast zwischen hellem Bildschirm und dunkler Wand abends mildert.
Für Videokonferenzen spielt auch das Licht im Gesicht eine Rolle. Kommt es nur von oben oder von hinten, wirken Sie auf dem Bildschirm dunkel. Eine Leuchte vor oder seitlich neben Ihnen hilft. Mit einem Smart Home lässt sich daraus eine Szene „Videocall“ machen, die mit einem Tastendruck das passende Licht einstellt.
Ein Präsenzmelder im Arbeitszimmer funktioniert nur, wenn er auf ruhiges Sitzen ausgelegt ist und richtig platziert wird. Sonst geht das Licht aus, während Sie konzentriert lesen. Was dabei zu beachten ist, beschreibt Präsenzmelder richtig platzieren.
Blendschutz und Beschattung
Tiefstehende Sonne auf dem Bildschirm macht Arbeiten zeitweise unmöglich. Rollläden helfen nur bedingt, weil sie den Raum verdunkeln. Raffstoren oder innenliegende Blendschutzrollos sind im Arbeitszimmer meist besser: Sie halten direkte Sonne ab und lassen trotzdem Licht herein.
Automatisch gesteuert, reagieren Raffstoren auf den Sonnenstand und stellen die Lamellen so, dass keine direkte Sonne durchkommt. Wichtig ist, dass Sie die Automatik jederzeit von Hand übersteuern können, etwa für einen Videocall ohne Gegenlicht. Was Automatik im Alltag bringt, erklärt Rollläden automatisieren: Was bringt das wirklich?.
Heizung, Luft und Ruhe
Wer den ganzen Tag im Arbeitszimmer sitzt, merkt schnell, wenn die Temperatur nicht stimmt. Eine raumweise Heizungsregelung gibt dem Raum einen eigenen Zeitplan: werktags warm, am Wochenende abgesenkt. Ein Fensterkontakt verhindert, dass die Heizung beim Lüften weiterläuft.
Bei geschlossener Tür und mehreren Personen steigt der CO₂-Gehalt in kleinen Räumen schnell. Ein Luftqualitätssensor zeigt an, wann gelüftet werden sollte, und kann bei vorhandener Lüftungsanlage die Stufe erhöhen. Im Neubau ist er günstig mitzuplanen.
Auch Geräusche spielen eine Rolle. Liegt das Arbeitszimmer neben dem Technikraum, können Lüfter von Netzwerktechnik oder Wärmepumpe hörbar sein. Das ist kein Elektrothema im engeren Sinn, sollte aber bei der Raumaufteilung mitgedacht werden.
Schutz für die Technik
Im Arbeitszimmer stehen oft die teuersten Geräte im Haus, und mit ihnen Ihre Arbeitsdaten. Ein Überspannungsschutz im Elektroverteiler schützt die gesamte Installation, ergänzend kann ein Feinschutz direkt am Arbeitsplatz sinnvoll sein. Welche Stufen nötig sind, legt Ihre Elektrofachkraft fest. Wer mit einem Netzwerkspeicher arbeitet oder auf einen laufenden Rechner angewiesen ist, kann zusätzlich über eine kleine unterbrechungsfreie Stromversorgung nachdenken. Sie überbrückt kurze Ausfälle und erlaubt ein sauberes Herunterfahren.
Wenn das Homeoffice später etwas anderes wird
Arbeitszimmer ändern ihre Nutzung. Aus dem Büro wird ein Gästezimmer, ein Kinderzimmer oder ein Hobbyraum. Planen Sie deshalb so, dass auch eine andere Nutzung möglich bleibt: Steckdosen an mehr als einer Wand, eine Netzwerkdose an einer zweiten Position und ein Leerrohr für spätere Ergänzungen. Dann bleibt der Raum flexibel, ohne dass später gestemmt werden muss.
Kurz zusammengefasst
Legen Sie im Arbeitszimmer zuerst den Schreibtisch fest, mit seitlichem Tageslicht. Planen Sie am Arbeitsplatz großzügig Steckdosen und mindestens eine Netzwerkdose. Sorgen Sie für blendfreies Licht, eine Lichtszene für Videocalls und einen Blendschutz, der sich übersteuern lässt. Ein eigener Heizungszeitplan und ein Luftqualitätssensor machen den Arbeitstag angenehmer.
