Die Busleitung ist bei KNX unspektakulär und wird deshalb oft nebenbei geplant. Die Regeln sind überschaubar, aber wer sie verletzt, merkt es erst bei der Inbetriebnahme – und dann ist die Wand zu.
Was erlaubt ist
KNX ist bei der Topologie großzügig. Innerhalb einer Linie können Sie verlegen als:
- Linie – ein Strang von Gerät zu Gerät
- Baum – Abzweigungen an beliebiger Stelle
- Stern – alles von einem Punkt aus
- Mischform – in der Praxis der Normalfall
Nicht erlaubt ist der geschlossene Ring. Wenn beide Enden derselben Leitung zusammengeführt werden, entsteht eine Schleife, die zu Reflexionen und schwer zu findenden Fehlern führt. Ein offener Ring – also eine Ringverlegung, bei der eine Seite nicht angeklemmt wird – ist dagegen unproblematisch und praktisch sogar nützlich: Sie haben eine Reserve für den Fall, dass ein Abschnitt beschädigt wird.
Die Längenbegrenzungen
| Größe | Grenzwert |
|---|---|
| Gesamte Leitungslänge je Linie | 1.000 m |
| Zwischen Spannungsversorgung und Teilnehmer | 350 m |
| Zwischen zwei Teilnehmern | 700 m |
| Abstand zwischen zwei Spannungsversorgungen | mindestens 200 m |
Im Einfamilienhaus sind diese Werte unkritisch. Relevant werden sie bei Gewerbeobjekten, langen Gebäuden und Außenanlagen – dort lohnt es, die Leitungslänge vorab zu rechnen, statt sie zu schätzen.
Wann Linien getrennt werden sollten
Nicht nur, wenn die Grenzwerte es erzwingen. Es gibt gute Gründe für eine Aufteilung:
Nach Geschossen bei mehrgeschossigen Gebäuden – dann lässt sich ein Geschoss isoliert in Betrieb nehmen oder abschalten.
Nach Gebäudeteilen bei Anbauten, Nebengebäuden oder vermieteten Einheiten.
Zur Reduzierung der Buslast, wenn viele Sensoren häufig senden – etwa Präsenzmelder mit Helligkeitsauswertung.
Der Koppler filtert dabei Telegramme, sodass nicht jede Bewegung im Keller die Linie im Dachgeschoss belastet. Das setzt allerdings voraus, dass die Filtertabellen richtig gesetzt sind – ein häufiger Fehler bei übernommenen Anlagen.
Verlegung: worauf es praktisch ankommt
Leitungstyp. KNX-Busleitung nach Vorgabe, üblicherweise J-Y(St)Y 2×2×0,8. Das zweite Adernpaar bleibt in der Regel ungenutzt – man kann es als Reserve betrachten, sollte es aber nicht für andere Zwecke belegen.
Abstand zu 230 V. Bei Parallelverlegung Abstand halten. In gemeinsamen Kanälen oder Dosen ist die Busleitung mindestens so isoliert zu führen wie die Netzleitung.
Reserve an den Enden. Ein halber Meter zusätzlich in jeder Dose. Wer schon einmal ein Busgerät bei zwei Zentimetern Leitungsüberstand getauscht hat, macht diesen Fehler nur einmal.
Kein Bus durch Fremdgewerke. Die Busleitung gehört nicht in denselben Kanal wie Antennen- oder Lautsprecherkabel, auch wenn Platz wäre.
Dokumentieren. Fotos der offenen Wand vor dem Verputzen, mit erkennbarem Leitungsverlauf. Das ist die billigste und wertvollste Dokumentation im ganzen Projekt.
Was im Rohbau vorbereitet gehört
Auch wenn KNX erst später kommen soll:
- Busleitung in alle Räume, in denen später Taster oder Sensoren sitzen könnten
- Leerrohr von der Verteilung in jedes Geschoss, großzügig dimensioniert
- Leitung zur geplanten Position der Wetterstation, mit Vorbereitung für einen Überspannungsableiter
- Anbindung von Nebengebäuden, solange der Graben offen ist
Diese Positionen kosten im Rohbau wenig und sind später kaum nachrüstbar.
