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Grundlagen 3 Min. Lesezeit

Nach dem Stromausfall: Verhalten bei Busspannungswiederkehr richtig einstellen

Licht geht an, Rollläden fahren, die Visualisierung zeigt Unsinn: Was nach einem Spannungsausfall in einer KNX-Anlage passiert und welche Parameter das Verhalten bestimmen.

Nach einem Stromausfall ruft der Kunde an: Nachts ist im ganzen Haus das Licht angegangen. Oder: Die Rollläden stehen still, und die Heizung regelt nicht. Oder: Die Visualisierung zeigt überall „aus", obwohl alles brennt. Hinter all dem steckt dieselbe Frage, die bei der Inbetriebnahme selten bewusst beantwortet wird: Was soll die Anlage tun, wenn die Spannung zurückkommt?

Zwei Spannungen, zwei Ereignisse

Bei KNX-Aktoren sind zwei Fälle zu unterscheiden:

  • Busspannungsausfall und -wiederkehr: Die KNX-Spannungsversorgung fällt aus, etwa weil das Netzteil spannungslos wird oder ein Fehler auf der Linie liegt.
  • Netzspannungsausfall und -wiederkehr: Aktoren mit eigener Netzversorgung verlieren ihre Netzspannung.

Bei einem echten Stromausfall passiert meist beides gleichzeitig. Bei einem Defekt am Netzteil fällt nur die Busspannung aus. Viele Aktoren haben deshalb getrennte Parameter für beide Ereignisse. Wer nur einen davon einstellt, wundert sich beim anderen.

Die Parameter im Aktor

Schalt- und Dimmaktoren. Typische Optionen bei Busspannungswiederkehr sind: unverändert, ein, aus, Zustand wie vor dem Ausfall oder ein bestimmter Helligkeitswert. Für Wohnräume ist „wie vor dem Ausfall" oder „aus" meist die richtige Wahl. „Ein" ist sinnvoll für Fluchtwege und bestimmte Gewerbebereiche, im Schlafzimmer um drei Uhr nachts eher nicht.

Jalousie- und Rollladenaktoren. Üblich sind: keine Reaktion, Auf, Ab oder eine bestimmte Position. Für Raffstores im Außenbereich ist „Auf" häufig die sichere Wahl, solange die Wetterstation nach dem Neustart noch keinen Wert geliefert hat. Klären Sie das zusammen mit der Windalarm-Logik.

Heizungsaktoren. Viele Stellantriebsaktoren haben einen Notbetrieb, wenn eine Zeit lang kein Stellwert kommt. Der greift auch nach Busspannungswiederkehr, bis der Regler wieder sendet. Prüfen Sie, welcher Wert dort hinterlegt ist. Mehr zur Regelung in KNX Einzelraumregelung optimieren.

Wichtig: Nicht jeder Aktor bietet alle Optionen, und die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller. Lesen Sie die Applikationsbeschreibung, statt sich auf Erfahrungen mit einem anderen Gerät zu verlassen.

Sensoren und Taster: Senden nach dem Neustart

Nach der Wiederkehr sollen Sensoren ihre aktuellen Werte melden, damit Logik, Visualisierung und Aktoren wieder einen gültigen Zustand haben: Temperaturen, Helligkeit, Wind, Fensterkontakte. Viele Geräte bieten dafür einen Parameter „Senden bei Busspannungswiederkehr".

Das Problem: Wenn alle Geräte gleichzeitig senden, entsteht eine Telegrammwelle. Auf schwachen Linien führt das zu Wiederholungen und verlorenen Telegrammen. Deshalb gibt es bei vielen Geräten eine einstellbare Sendeverzögerung. Staffeln Sie die Verzögerungen, statt überall den Standardwert stehen zu lassen.

Visualisierung und Logik: Werte nachladen

Eine Visualisierung oder ein Logikserver, der neu startet, kennt zunächst keinen Zustand. Er muss die Werte aktiv abfragen, also Leseanfragen an die Gruppenadressen senden. Damit das funktioniert, braucht an jeder Gruppenadresse mindestens ein Objekt mit gesetztem Lesen-Flag, meist das Statusobjekt des Aktors.

Umgekehrt gilt für KNX-Geräte, die selbst Werte brauchen, etwa ein Logikmodul oder ein Display: Bei Geräten, die das unterstützen, sorgt das Flag „Lesen bei Initialisierung" dafür, dass sie nach dem Start die aktuellen Werte anfordern. Setzen Sie es gezielt, nicht pauschal. Jede Leseanfrage erzeugt Verkehr, und hundert gleichzeitige Anfragen sind wieder eine Telegrammwelle.

Typische Fehlerbilder

  • Alles Licht an nach Stromausfall: Wiederkehrverhalten auf „ein" oder Werkseinstellung nicht geprüft.
  • Rollläden reagieren erst nach Minuten: Sicherheitsfunktion wartet auf einen Wert der Wetterstation, die verzögert sendet.
  • Visualisierung zeigt falsche Zustände: Statusobjekte ohne Lesen-Flag, keine Initialabfrage.
  • Viele Wiederholungen im Busmonitor direkt nach dem Start: Sendeverzögerungen nicht gestaffelt.

Wenn Spannungsausfälle häufiger vorkommen, lohnt ein Blick auf die Ursache. Ein schwaches oder ausfallendes Netzteil ist ein eigenes Thema, siehe KNX-Netzteil ausgefallen: Soforthilfe und richtige Dimensionierung.

In die Dokumentation

Das Wiederkehrverhalten gehört zu den Parametern, die bei Rückfragen niemand mehr weiß. In der Funktionsbeschreibung sollte stehen:

  • Verhalten von Licht, Beschattung und Heizung nach Bus- und Netzspannungswiederkehr
  • welche Sensoren nach dem Start senden und mit welcher Verzögerung
  • wie Visualisierung und Logik ihre Werte nachladen

Dann ist der Anruf nach dem nächsten Gewitter in zwei Minuten beantwortet. Was sonst noch in die Unterlagen gehört, steht in Was in eine KNX-Übergabedokumentation gehört.

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