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Praxis 3 Min. Lesezeit

KNX-Netzteil ausgefallen: Soforthilfe und richtige Dimensionierung

Wenn die Spannungsversorgung stirbt, steht die Anlage. Was Sie sofort tun können, welches Ersatzgerät passt und wie man den Ausfall künftig vermeidet.

Ein ausgefallenes KNX-Netzteil ist einer der wenigen Fehler, die eine ganze Anlage auf einmal stilllegen. Kein Licht über Taster, keine Beschattung, keine Heizungsregelung – und meistens passiert es an einem Freitagnachmittag.

Sofort prüfen: ist es wirklich das Netzteil?

Bevor Sie ein Ersatzgerät besorgen, drei Messungen:

1. Busspannung am Netzteil. Normal sind 29 bis 30 V DC. Unter 21 V arbeitet der Bus nicht mehr zuverlässig, bei 0 V ist das Gerät tot oder abgeschaltet.

2. Busspannung am entferntesten Teilnehmer. Wenn am Netzteil 29 V anliegen und am Ende der Linie 19 V, ist nicht das Netzteil defekt, sondern die Linie überlastet oder zu lang.

3. Stromaufnahme. Wenn das Netzteil kurz nach dem Einschalten wieder abschaltet, liegt oft ein Kurzschluss auf dem Bus vor – etwa durch ein defektes Gerät oder eine verdrehte Ader. Dann hilft kein neues Netzteil.

Was ein Ersatzgerät können muss

Die Drossel ist Pflicht. KNX-Netzteile enthalten eine Drossel, die das Bussignal von der Versorgungsspannung entkoppelt. Ein normales 30-V-Labornetzteil funktioniert nicht – auch wenn die Spannung stimmt.

Der Strom muss zur Teilnehmerzahl passen. Jedes Busgerät zieht typischerweise 10 mA. Gängige Netzteile liefern 320, 640 oder 1280 mA.

NetzteilTeilnehmer (Richtwert)
320 mAbis ca. 25
640 mAbis ca. 55
1280 mAbis ca. 110

Kalkulieren Sie nicht auf Kante. Wenn 60 Teilnehmer an einem 640-mA-Netzteil hängen, läuft es – aber ohne Reserve für Erweiterungen und mit weniger Puffer bei Einschaltströmen.

Zusatzausgang beachten. Manche Netzteile haben einen ungedrosselten Hilfsausgang für Zusatzgeräte. Der darf nicht mit dem Busausgang verwechselt werden.

Warum Netzteile ausfallen

Alter. Elektrolytkondensatoren altern. Nach zehn bis fünfzehn Jahren häufen sich Ausfälle, besonders in warmen Verteilungen.

Wärme. Das ist der Hauptfaktor. Ein Netzteil zwischen zwei Dimmaktoren in einem geschlossenen Schrank hat eine deutlich kürzere Lebensdauer als eines mit Luft darüber.

Überspannung. Blitzeinschlag in der Nähe oder Schalthandlungen im Netz. Ohne Überspannungsschutz trifft es zuerst die Elektronik im Verteiler.

Dauerbelastung nahe der Grenze. Wer 110 Teilnehmer an ein 1280-mA-Gerät hängt, betreibt es dauerhaft am Limit.

Nach einem Überspannungsereignis: was noch prüfen?

Wenn das Netzteil nach einem Gewitter ausfällt, ist es selten das einzige betroffene Gerät. Prüfen Sie:

  • Alle Busgeräte auf Erreichbarkeit – in der ETS die Diagnosefunktion nutzen. Geräte, die nicht antworten, sind Kandidaten.
  • IP-Komponenten, also Router, Schnittstellen, Visualisierungsserver. Sie hängen zusätzlich am Netzwerk und werden häufig über die Datenleitung getroffen.
  • Aktoren mit Sonderfunktionen, etwa Wetterstation oder Dimmaktoren – sie zeigen Schäden oft erst im Betrieb.

Dokumentieren Sie, was Sie geprüft haben. Bei einer Versicherungsmeldung ist das die Grundlage.

Vorbeugen

Überspannungsschutz im Verteiler und an der Busleitung, wo sie das Gebäude verlässt – etwa zur Wetterstation oder zum Nebengebäude. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme.

Wärmeabfuhr: Netzteil nicht zwischen Wärmequellen, Abstand einhalten, bei großen Anlagen Belüftung vorsehen.

Reserve einplanen: ein Netzteil eine Nummer größer als rechnerisch nötig.

Ersatzgerät vorhalten – bei Wartungsverträgen und Gewerbeobjekten sinnvoll. Ein Netzteil im Regal kostet weniger als ein Notdiensteinsatz mit Beschaffung.

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