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Bestandsanlagen 4 Min. Lesezeit

Firmware-Updates an KNX-Geräten: Planen statt hoffen

Wann ein Firmware-Update an KNX-Geräten sinnvoll ist, welche Wege es gibt und wie man Updates in Bestandsanlagen plant, ohne dass danach Funktionen fehlen.

In der IT gehören Updates zum Alltag. In KNX-Anlagen werden sie dagegen oft gar nicht gemacht – oder spontan, weil ein Gerät sich merkwürdig verhält und im Internet von einer neuen Version die Rede ist. Beides ist nicht ideal. Ein Firmware-Update ist ein Eingriff in eine laufende Anlage und sollte geplant werden wie jeder andere.

Firmware und Applikation: zwei verschiedene Dinge

Zuerst eine Begriffsklärung, die in Gesprächen häufig durcheinandergeht:

  • Firmware ist die Software im Gerät selbst. Sie bestimmt, was das Gerät grundsätzlich kann und wie es sich verhält.
  • Applikationsprogramm ist das, was die ETS mit Parametern, Kommunikationsobjekten und Verknüpfungen ins Gerät lädt.

Beides hängt zusammen. Eine neue Firmware kann eine neue Applikationsversion erfordern, und eine neue Applikation in der ETS setzt mitunter einen bestimmten Firmwarestand voraus. Welche Kombination gilt, steht in den Unterlagen des Herstellers.

Welche Geräte überhaupt aktualisiert werden können

Das ist sehr unterschiedlich. Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden:

  1. Geräte ohne Updatemöglichkeit im Feld. Bei vielen einfachen Aktoren und Sensoren ist die Firmware fest. Ein Fehler wird dort nur durch Gerätetausch behoben.
  2. Geräte mit Update über den Bus. Der Hersteller stellt dafür eine ETS-App oder ein eigenes Werkzeug bereit. Das Update läuft über die vorhandene Busverbindung.
  3. Geräte mit eigener Netzwerkschnittstelle. IP-Router, IP-Schnittstellen, Visualisierungsserver und Logikmodule werden häufig über Weboberfläche oder Herstellersoftware aktualisiert.

Für die dritte Gruppe sind Updates am wichtigsten, weil diese Geräte mit dem Netzwerk und oft mit dem Internet verbunden sind. Dort geht es nicht nur um Funktionen, sondern um Sicherheit – siehe Fernzugriff auf KNX-Anlagen sicher einrichten.

Wann ein Update sinnvoll ist

Nicht jede neue Version muss eingespielt werden. Sinnvolle Anlässe:

  • Sicherheitsrelevante Korrekturen, vor allem bei IP-Geräten und Servern.
  • Ein konkreter Fehler, den der Hersteller in den Versionshinweisen als behoben nennt und der in der Anlage tatsächlich auftritt.
  • Eine benötigte Funktion, etwa eine neue Schnittstelle oder Unterstützung von KNX Secure.
  • Voraussetzung für andere Komponenten, zum Beispiel wenn eine neue Visualisierung einen bestimmten Stand verlangt.

Kein guter Anlass: „Es gibt eine neue Version." Wenn ein Gerät stabil läuft und keiner der genannten Gründe zutrifft, ist das Risiko des Updates oft größer als der Nutzen.

Ablauf, der sich bewährt hat

1. Bestand erfassen. Welche Geräte sind verbaut, mit welchem Firmwarestand und welcher Applikationsversion? Die ETS liest Geräteinformationen aus; bei IP-Geräten steht der Stand in der Weboberfläche. Das Ergebnis gehört in die Geräteliste.

2. Versionshinweise lesen. Was ändert sich? Werden Parameter zurückgesetzt? Ist eine neue Applikation nötig? Gibt es Hinweise zur Reihenfolge?

3. Sichern. ETS-Projekt exportieren, Konfigurationen von Servern und Logikmodulen sichern. Bei IP-Geräten auch Zugangsdaten und Netzwerkeinstellungen notieren.

4. Testen, wo es geht. Ein Gerät gleichen Typs auf dem Prüfaufbau aktualisieren, bevor zwanzig in der Anlage folgen. Mindestens: erst ein Gerät in der Anlage, dann prüfen, dann die übrigen.

5. Zeitfenster abstimmen. Mit dem Kunden einen Termin festlegen, an dem ein kurzer Ausfall unkritisch ist. Heizungsaktoren nicht in der Heizperiode, Beschattung nicht bei Sturmwarnung.

6. Nach dem Update prüfen. Funktion des Geräts, Verknüpfungen, Parameter, gegebenenfalls Applikation in der ETS nachziehen und neu laden.

7. Dokumentieren. Neuer Firmwarestand in die Geräteliste, Datum und Grund in die Änderungshistorie.

Applikation in der ETS nachziehen

Steht in der ETS eine neuere Applikationsversion zur Verfügung, bietet die ETS an, das Gerät im Projekt zu aktualisieren. Dabei werden Parameter und Verknüpfungen in der Regel übernommen – aber nicht immer vollständig, wenn sich die Applikation stark geändert hat. Nach der Aktualisierung lohnt sich daher ein Blick auf die Parameter und Kommunikationsobjekte, bevor das Gerät neu programmiert wird.

Updates als Teil der Wartung

Wer Anlagen betreut, sollte Firmware-Stände nicht anlassbezogen, sondern regelmäßig prüfen: einmal im Jahr für IP-Geräte und Server, bei Bedarf für Busgeräte. Das passt gut in einen Wartungsvertrag, siehe KNX Wartungsvertrag: Wann er sich lohnt. Bei übernommenen Anlagen gehört der Firmware-Check zur Bestandsaufnahme – ergänzend zu ETS-Projekt geerbt: Die ersten fünf Handgriffe.

Fazit

Firmware-Updates an KNX-Geräten sind kein Routineklick. Mit einer aktuellen Geräteliste, gelesenen Versionshinweisen, einer Sicherung und einem abgestimmten Zeitfenster werden sie aber planbar – und die Anlage bleibt sicher, ohne dass nach dem Update Funktionen fehlen.

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