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Bestandsanlagen 3 Min. Lesezeit

KNX im Altbau nachrüsten: Was geht und was nicht

Ohne Busleitung ist KNX im Bestand aufwendig – aber nicht unmöglich. Welche Wege es gibt, was sie kosten und wann Funk die ehrlichere Antwort ist.

KNX ist für den Neubau gedacht. Das Bussystem braucht eine eigene Leitung, die parallel zur Stromversorgung durch das Haus läuft – und die liegt im Bestand praktisch nie. Damit ist die Frage „Kann ich KNX nachrüsten?" berechtigt, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, ob ohnehin gebaut wird.

Der entscheidende Faktor: Wird saniert?

Wenn Wände offen sind, ist alles möglich. Bei einer Kernsanierung, bei der Leitungen ohnehin neu verlegt werden, kostet die zusätzliche Busleitung wenig. Dann gelten dieselben Bedingungen wie im Neubau.

Wenn nur einzelne Räume angefasst werden, lässt sich abschnittsweise nachrüsten – etwa erst das Erdgeschoss, später das Obergeschoss. Das funktioniert, weil KNX erweiterbar ist. Wichtig ist, dass die Struktur von Anfang an auf den Endausbau ausgelegt wird.

Wenn gar nicht gebaut wird, wird es aufwendig. Dann gibt es drei Wege, und keiner davon ist ideal.

Weg 1: Busleitung nachträglich verlegen

Technisch die sauberste Lösung, praktisch die teuerste. Sie funktioniert, wenn:

  • Leerrohre vorhanden sind. In Häusern ab etwa den Neunzigern gibt es häufiger Leerrohre, als man denkt. Ein Blick in die Dosen lohnt.
  • Ein Kellergeschoss oder Dachboden Wege bietet. Von dort lassen sich Räume oft von unten oder oben erschließen.
  • Kabelkanäle akzeptabel sind. In Nebenräumen und Fluren eine pragmatische Lösung.

Was dagegen spricht: In einer bewohnten, verputzten und tapezierten Wohnung bedeutet jede neue Leitung Schmutz, Ausfallzeit und Malerarbeiten.

Weg 2: KNX-RF, also Funk im KNX-Standard

KNX gibt es auch als Funkvariante. Sie ist mit dem verdrahteten System kompatibel, ein Medienkoppler verbindet beide Welten.

Vorteile: Kein Eingriff in die Substanz. Volle Kompatibilität mit dem KNX-Standard, dieselbe Programmiersoftware, dieselbe Logik.

Nachteile: Deutlich kleinere Geräteauswahl als bei verdrahtetem KNX. Batteriebetriebene Sensoren brauchen Wartung. Und wie jede Funklösung ist sie abhängig von Reichweite und baulichen Gegebenheiten – Stahlbetondecken sind ein Problem.

In der Praxis wird KNX-RF selten als Vollausbau eingesetzt, sondern für einzelne Stellen, die verdrahtet nicht erreichbar sind.

Weg 3: Ein anderes System

Das ist der Weg, den wir am häufigsten empfehlen, wenn nicht ohnehin saniert wird – auch wenn es gegen unser eigenes Kerngeschäft spricht.

Systeme wie HomeMatic IP arbeiten funkbasiert, sind für die Nachrüstung entwickelt und deutlich günstiger im Einstieg. Sie leisten im Bestand das, was die meisten Bauherren tatsächlich wollen: Heizungssteuerung, einzelne Lichtkreise, Beschattung, ein paar Automatiken.

Was Sie dafür aufgeben: Herstellerunabhängigkeit und die Erweiterbarkeit eines offenen Standards. In einem Bestandsgebäude, in dem Sie vielleicht noch fünfzehn Jahre wohnen, wiegt das oft weniger schwer als bei einem Neubau, den Sie an die nächste Generation weitergeben.

Was sich im Bestand fast immer lohnt

Unabhängig vom System gibt es Maßnahmen, die im Bestand ein gutes Verhältnis von Aufwand und Nutzen haben:

Einzelraumregelung der Heizung. Funkthermostate an den Heizkörpern, zentrale Steuerung. Geringer Eingriff, spürbare Wirkung auf den Verbrauch.

Beschattung. Wenn elektrische Rollläden vorhanden sind, lässt sich die Steuerung oft in der vorhandenen Dose nachrüsten.

Zentrale Bedienung der Beleuchtung. Über schaltbare Aktoren in den Dosen, ohne neue Leitungen.

Anwesenheitssimulation und Sicherheit. Braucht wenig Technik und liefert konkreten Nutzen.

Die Vorfrage, die niemand stellt

Bevor über Systeme geredet wird, lohnt eine andere Prüfung: Ist die vorhandene Elektroinstallation überhaupt in Ordnung?

In Häusern aus den Sechzigern und Siebzigern fehlt oft der Schutzleiter in Teilen der Anlage, es gibt keinen FI-Schutzschalter, und der Zählerschrank stammt aus der Bauzeit. Auf einer solchen Basis Automation aufzusetzen, ist die falsche Reihenfolge – und im Zweifel gefährlich.

Ein E-Check klärt das in einem halben Tag und kostet einen Bruchteil dessen, was ein Automationsprojekt kostet.

Passt das zu Ihrem Projekt?

Wir beraten unverbindlich – per Telefon, Mail oder vor Ort in NRW; Planung und Programmierung auch remote.

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