Sie wohnen schon im Haus, die Wände sind gestrichen, und eigentlich möchten Sie nur ein paar Dinge bequemer haben: das Licht im Flur automatisch, die Rollläden zentral, die Heizung raumweise. Neue Leitungen ziehen möchten Sie dafür nicht.
Die gute Nachricht: Für einen großen Teil dieser Wünsche ist das auch nicht nötig. Die weniger gute: Ohne Leitungen gibt es Kompromisse, und die sollten Sie vorher kennen.
Was sich ohne neue Leitungen nachrüsten lässt
Fast alle Lösungen für den Bestand arbeiten mit Funk. Die Geräte sitzen dort, wo heute schon Strom ist, oder sie laufen mit Batterie.
Licht über vorhandene Schalterdosen. Hinter einen bestehenden Schalter passt in vielen Fällen ein kleiner Funk-Unterputzaktor. Der Schalter bleibt bedienbar, zusätzlich lässt sich das Licht per App, Zeitplan oder Bewegungsmelder steuern.
Rollläden mit vorhandenem Motor. Wenn die Rollläden bereits elektrisch fahren, sitzt die Steuerung meist in der Schalterdose daneben. Dort kann ein Funk-Rollladenaktor den alten Schalter ersetzen.
Heizkörper raumweise. Funk-Thermostate werden einfach anstelle der alten Thermostatköpfe aufgeschraubt. Das ist der einfachste Einstieg überhaupt und braucht keinen Elektriker.
Sensoren mit Batterie. Fensterkontakte, Bewegungsmelder, Wassermelder und zusätzliche Wandtaster werden geklebt oder geschraubt. Ein Taster am Bett, der das ganze Haus ausschaltet, ist so in Minuten montiert.
Die Stolperstelle in der Schalterdose
Viele Funk-Unterputzaktoren brauchen in der Dose einen Neutralleiter. In älteren Häusern liegt dort aber oft nur die geschaltete Leitung, weil ein normaler Schalter nichts anderes braucht.
Es gibt Geräte, die ohne Neutralleiter auskommen, doch sie haben Einschränkungen, besonders bei kleinen LED-Lasten. Manchmal flackert dann die ausgeschaltete Lampe leicht nach. Ob ein Neutralleiter vorhanden ist, sieht eine Elektrofachkraft mit einem Blick in die Dose.
Wo die Grenzen liegen
Ohne Leitungen funktioniert vieles, aber nicht alles gleich gut.
Reichweite. Funk muss durch Wände und Decken. Stahlbeton, Fußbodenheizung mit Metallanteilen oder ein Kellergeschoss können Verbindungen schwächen. Meist helfen zusätzliche netzbetriebene Geräte, die Signale weitergeben, aber das sollte man einplanen.
Batterien. Jeder Sensor mit Batterie will irgendwann gewechselt werden. Bei fünf Geräten ist das kein Thema, bei vierzig schon eher.
Platz in der Dose. Hinter manchem Schalter ist schlicht kein Raum für zusätzliche Technik. Dann hilft eine tiefere Dose oder ein Aufputzgehäuse, was wieder ein kleiner Eingriff ist.
Ein späterer Vollausbau. Wenn Sie in einigen Jahren ohnehin sanieren wollen, ist eine große Funkinstallation heute womöglich doppelt bezahlt. In unserem Artikel zu KNX im Altbau beschreiben wir, wann sich eine verdrahtete Lösung bei einer Sanierung lohnt.
Ein System statt vieler Apps
Der häufigste Fehler beim Nachrüsten ist nicht technischer Natur. Es ist die Sammlung: hier eine Lampe mit eigener App, dort ein Thermostat mit anderer App, dazu eine Kamera mit dritter. Nach einem Jahr weiß niemand mehr, was womit verbunden ist.
Besser ist es, sich vorher für eine gemeinsame Basis zu entscheiden: ein Funksystem oder einen offenen Standard, über den sich die Geräte zentral steuern lassen. Welche Systeme es gibt und worin sie sich unterscheiden, haben wir in KNX oder Funk-Smart-Home gegenübergestellt.
Achten Sie dabei auf drei Fragen:
- Funktioniert die Grundsteuerung auch ohne Internet?
- Lässt sich das System später um weitere Geräte erweitern, auch von anderen Herstellern?
- Wer kann es einrichten und pflegen, wenn Sie es nicht selbst tun möchten?
So gehen Sie sinnvoll vor
Beginnen Sie nicht mit dem Gerät, sondern mit dem Alltag. Was stört Sie heute konkret? Wo laufen Sie abends noch einmal durchs Haus, um Licht auszuschalten? Welcher Raum ist morgens zu kalt?
Aus diesen Antworten ergibt sich eine kurze Liste. Diese Liste ist wichtiger als jede Produktauswahl, und sie hilft auch jedem Fachbetrieb, Ihnen ein passendes Angebot zu machen. Wie man so eine Liste aufbaut, zeigt unser Beitrag zur richtigen Reihenfolge beim Smart-Home-Planen.
Danach lohnt es sich, klein anzufangen: zum Beispiel mit der Heizung und einem oder zwei Räumen. So sehen Sie, ob Funkreichweite, Bedienung und App im Alltag passen, bevor Sie das ganze Haus ausstatten.
Kurz zusammengefasst
- Licht, Rollläden, Heizung und Sensoren lassen sich im Bestand weitgehend ohne neue Leitungen nachrüsten.
- In der Schalterdose entscheidet oft der Neutralleiter, welche Geräte passen.
- Funk hat Grenzen bei Reichweite und Batterien, die man einplanen kann.
- Ein gemeinsames System ist wichtiger als das einzelne Gerät.
