Bei einer Kernsanierung ist KNX technisch unproblematisch – die Wände sind offen, die Busleitung kostet wenig. Was den Unterschied zum Neubau ausmacht, sind drei andere Dinge: unbekannte Substanz, gewachsene Leitungswege und die Frage, was vom Bestand bleibt.
Vor der Planung: die Bestandsaufnahme
Was liegt tatsächlich in den Wänden? Pläne aus der Bauzeit sind selten vorhanden und noch seltener aktuell. Rechnen Sie damit, dass Sie es beim Öffnen erfahren – und kalkulieren Sie entsprechend.
Wo verlaufen die Steigleitungen? Sie bestimmen, wo die Verteilung sitzen kann. Ein Verteiler an einer Stelle, zu der keine Steigleitung führt, bedeutet Kernbohrungen durch Geschossdecken.
Wie ist der Zustand des Hausanschlusses? In Häusern aus den Fünfzigern und Sechzigern ist er häufig zu klein für Wärmepumpe, Wallbox und PV. Die Verstärkung ist Sache des Netzbetreibers und dauert – das gehört an den Anfang des Terminplans, nicht ans Ende.
Gibt es Denkmalschutz oder Substanz, die nicht angetastet werden darf? Bei Fachwerk oder erhaltenswerten Oberflächen sind Leitungswege eingeschränkt.
Was im Altbau anders ist als im Neubau
Deckenhöhen und Fußbodenaufbau. Wenn der Estrich neu kommt, lassen sich Leitungen darin führen – wenn nicht, fehlt dieser Weg. Das entscheidet über die Erreichbarkeit von Raummitte-Positionen wie Deckenauslässen und Präsenzmeldern.
Ungleiche Wandstärken. Dosen sitzen nicht überall gleich tief. Bei Bustastern mit Einbautiefe kann das relevant werden – eine tiefe Dose ist Pflicht, wo Applikation und Busankoppler getrennt sind.
Kein durchgehendes Konzept. Altbauten sind gewachsen. Ein Anbau aus den Achtzigern hat eine andere Struktur als der Ursprungsbau. Das führt zu Leitungswegen, die nicht symmetrisch sind – und zu Linien, die man anders schneiden muss als im Neubau.
Bestandsschutz und Teilsanierung. Wenn nur ein Geschoss saniert wird, treffen alte und neue Installation aufeinander. Klären Sie früh, wo die Schnittstelle liegt und wer für welchen Teil haftet.
Die Planung: abschnittsweise denken
Der wichtigste Unterschied zum Neubau: Eine Kernsanierung läuft oft in Etappen, und der Kunde zieht zwischendurch ein.
Daraus folgt:
- Die Adressstruktur muss auf den Endausbau ausgelegt sein, auch wenn zunächst nur das Erdgeschoss kommt. Nachträglich umstrukturieren bedeutet, alle Geräte neu zu programmieren.
- Die Verteilung von Anfang an groß genug. Der zweite Schrank wird sonst zum Provisorium, das bleibt.
- Busleitung durchgängig ziehen, auch in Bereiche, die erst später ausgebaut werden. Solange die Wand offen ist, kostet es fast nichts.
- Zwischenzustände planen. Was passiert, wenn das Obergeschoss noch konventionell ist und das Erdgeschoss schon über KNX läuft? Diese Übergangslösung sollte bewusst gestaltet sein, nicht zufällig entstehen.
Was Sie dem Kunden früh sagen sollten
Der Zeitplan hängt am Netzbetreiber. Hausanschlussverstärkung und Zählerplatzänderung brauchen Vorlauf. Das ist kein Handwerkerthema, aber der Kunde erlebt es als Verzögerung.
Überraschungen sind einkalkuliert, nicht ausgeschlossen. Bei einer Kernsanierung ist eine Position „Unvorhergesehenes" seriöser als ein Festpreis, der beim ersten geöffneten Schacht nicht mehr hält.
Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar. Elektro kommt nach Rohbau und vor Putz. Wenn der Kunde in dieser Phase noch über Steckdosenpositionen nachdenkt, verschiebt sich alles Weitere.
Wo KNX im Altbau besonders punktet
Zwei Punkte, die sich in der Sanierung stärker auszahlen als im Neubau:
Weniger Leitungen für mehr Funktion. Wo jede zusätzliche Leitung einen Schlitz bedeutet, ist ein Bussystem im Vorteil: Ein Taster mit vier Funktionen braucht eine Busleitung, nicht vier Schaltdrähte.
Nachträgliche Änderung ohne Bauarbeiten. Wenn der Kunde nach dem Einzug merkt, dass der Schalter neben der Tür lieber das Deckenlicht statt der Steckdose schalten soll, ist das eine Änderung in der ETS – keine in der Wand.
Diese beiden Argumente überzeugen in der Sanierung meist mehr als jede Komfortfunktion.
