Die teuersten Fehler bei Gebäudeautomation sind keine technischen. Es sind Reihenfolgefehler: Geräte werden ausgewählt, bevor klar ist, was sie tun sollen. Angebote werden eingeholt, bevor die Funktionen definiert sind. Über das System wird entschieden, bevor jemand über den Nutzen gesprochen hat.
Hier ist die Reihenfolge, die funktioniert.
Schritt 1: Nutzung beschreiben, nicht Technik
Bevor irgendetwas anderes passiert, sollte aufgeschrieben sein, wie Sie leben wollen. Nicht in Technikbegriffen, sondern in Sätzen:
„Wenn wir abends nach Hause kommen, soll der Flur beleuchtet sein und die Heizung im Wohnzimmer schon hochgefahren haben."
„Im Sommer soll die Beschattung im Süden automatisch schließen, wenn niemand da ist – aber nicht, wenn wir auf der Terrasse sitzen."
„Ich möchte vom Bett aus sehen können, ob die Haustür zu ist."
Aus solchen Sätzen ergeben sich Funktionen. Aus Funktionen ergeben sich Geräte. Nie umgekehrt.
Zeitpunkt: Sobald der Grundriss steht, vor dem ersten Elektrogespräch.
Schritt 2: Möblierung in den Grundriss
Wo steht das Sofa, wo der Esstisch, auf welcher Seite steht das Bett? Ohne diese Information ist jede Elektroplanung geraten. Sie entscheidet über Schalterpositionen, Steckdosen, Bedienstellen und Lichtkreise.
Zeitpunkt: Vor der Elektroplanung. Nicht perfekt, aber konkret.
Schritt 3: Funktionsliste erstellen
Jetzt wird aus den Sätzen aus Schritt 1 eine strukturierte Liste, Raum für Raum: Beleuchtung, Beschattung, Heizung, Steckdosen, Bedienung, Sicherheit, Szenen. Diese Liste ist die Grundlage für alles Weitere.
Wichtig: Keine Marken, keine Artikelnummern, keine Preisvorstellungen. Nur Verhalten.
Zeitpunkt: Vor der Angebotseinholung.
Schritt 4: Systementscheidung
Erst jetzt – wenn feststeht, was die Anlage können soll – lässt sich sinnvoll über das System reden. KNX, ein zentrales System, eine Funklösung oder konventionell mit guten Leerrohren.
Die Entscheidung hängt an drei Fragen: Wie lange bleiben Sie im Haus? Wie wichtig ist Unabhängigkeit vom ausführenden Betrieb? Wie hoch ist das Budget wirklich?
Zeitpunkt: Nach der Funktionsliste, vor der Ausschreibung.
Schritt 5: Angebote auf gleicher Grundlage
Zwei bis drei Betriebe, alle bekommen dieselbe Funktionsliste. Jetzt vergleichen Sie tatsächlich Preise und nicht Interpretationen.
Achten Sie darauf, dass die Programmierung als eigene Position auftaucht und dass geklärt ist, wem die Projektdatei am Ende gehört.
Zeitpunkt: Nach der Systementscheidung.
Schritt 6: Erst dann Geräte auswählen
Welcher Taster, welches Display, welche Leuchte – das ist die letzte Entscheidung, nicht die erste. Und es ist die einzige, die sich später noch ändern lässt, ohne die Wand zu öffnen.
Was in welcher Bauphase entschieden sein muss
| Bauphase | Was spätestens feststehen muss |
|---|---|
| Vor Rohbau | Leerrohrtrassen, Zuleitung Garage, Platz im Zählerschrank |
| Vor Elektro-Rohinstallation | Funktionsliste, Schalter- und Dosenpositionen, System |
| Vor Verputzen | Alle Dosen gesetzt, Leitungen gezogen, Fotos gemacht |
| Vor Estrich | Fußbodenheizung, Temperaturfühler, Bodendosen |
| Nach Innenausbau | Geräteauswahl, Programmierung, Inbetriebnahme |
Die ersten drei Zeilen sind die entscheidenden. Was dort nicht steht, kostet später ein Vielfaches.
Der Punkt, an dem externe Hilfe sinnvoll ist
Nicht bei der Technik – da ist Ihr Elektrobetrieb der Fachmann. Sondern bei Schritt 1 bis 3: der Übersetzung von „wie wir leben wollen" in eine Unterlage, mit der ein Betrieb kalkulieren kann.
Dafür fehlt in einem normalen Installationsangebot die Zeit, und es ist auch nicht die Aufgabe des ausführenden Betriebs. Es ist Planungsarbeit, und sie findet vor der Ausführung statt.
