Fensterkontakte sind in vielen KNX-Anlagen vorhanden und werden doch nur halb genutzt. Mal schaltet der Kontakt die Heizung ab, meldet aber nirgends, dass das Fenster noch offen ist. Mal gibt es eine Meldung in der Visualisierung, die Heizung weiß davon nichts. Dabei ist der Kontakt ein klassischer Fall für das Prinzip: ein Signal, mehrere Verbraucher.
Welcher Kontakt für welchen Zweck
Bevor es um Logik geht, muss die Hardware zur Anforderung passen. Die üblichen Varianten:
- Magnetkontakt (Reed) am Flügel: Erkennt geöffnet oder geschlossen. Für Heizung und einfache Meldungen ausreichend.
- Zwei Kontakte je Flügel oder Fenstergriff mit Stellungserkennung: Unterscheiden zusätzlich gekippt und geöffnet. Interessant, wenn die Heizung bei gekipptem Fenster anders reagieren soll als bei offenem oder der Kunde „gekippt" nachts zulassen will.
- Verschlussüberwachung (Riegelkontakt): Erkennt, ob das Fenster tatsächlich verriegelt ist. Für Meldungen beim Verlassen des Hauses und Sicherheitsanforderungen relevant.
Die Entscheidung fällt im Rohbau beziehungsweise bei der Fensterbestellung. Kontakte, die in den Rahmen eingelassen werden, müssen mit dem Fensterbauer abgestimmt sein – nachträglich bleibt meist nur der Aufbau. Für die Leitungswege gilt, was in Leerrohre im Neubau steht.
Anschluss auf den Bus
Verdrahtete Kontakte laufen über Binäreingänge oder Tasterschnittstellen mit Eingängen für potentialfreie Kontakte. Drei Parameter verdienen Aufmerksamkeit:
Polarität. Legen Sie projektweit fest, welcher Wert „offen" bedeutet, und nutzen Sie den passenden Datenpunkttyp für Fenster und Türen. Gemischte Polaritäten in einem Projekt sind eine verlässliche Quelle für Fehler bei späteren Erweiterungen.
Verhalten nach Busspannungswiederkehr. Der Eingang sollte seinen aktuellen Zustand senden oder auf Anfrage liefern. Sonst kennt die Heizung nach einem Neustart den Fensterzustand erst, wenn jemand das Fenster bewegt.
Entprellung und Verzögerung. Ein kurzes Öffnen zum Herausreichen von etwas soll nicht jede Funktion auslösen. Die Verzögerung gehört aber an die richtige Stelle – dazu gleich mehr.
Funkkontakte sind im Bestand eine Alternative. Sie bringen Batteriewechsel als Wartungsaufgabe mit, was bei vielen Fenstern nicht zu unterschätzen ist.
Ein Kontakt, mehrere Funktionen
Der Kontakt sendet auf eine Gruppenadresse je Fenster. Alles Weitere hängt sich daran:
Heizung. Der Regler wechselt bei offenem Fenster in den Frostschutzbetrieb. Bei mehreren Fenstern im Raum braucht es eine ODER-Verknüpfung – ein offenes Fenster reicht. Die Grundlagen dazu stehen in KNX Einzelraumregelung optimieren.
Beschattung. Bei Terrassen- und Balkontüren sperrt der Kontakt das Herunterfahren des Behangs, damit niemand ausgesperrt wird. Details in KNX-Beschattung automatisieren.
Meldung. Eine Sammelmeldung „Fenster offen" je Geschoss oder für das ganze Haus, angezeigt im Taster am Ausgang oder in der Visualisierung. Mit Riegelkontakten zusätzlich „nicht verriegelt".
Lüftung und Klima. Wo eine Klimaanlage oder Lüftungsanlage über KNX angebunden ist, kann der Kontakt auch dort den Betrieb beeinflussen.
Abwesenheit und Alarm. Beim Verlassen des Hauses wird geprüft, ob alles geschlossen ist. Während Abwesenheit kann ein Öffnen eine Benachrichtigung auslösen.
Verzögerungen an der richtigen Stelle
Ein häufiger Fehler: Die Verzögerung sitzt im Binäreingang. Dann reagiert nicht nur die Heizung verzögert, sondern auch die Beschattungssperre – und die soll sofort greifen.
Besser ist: Der Eingang sendet den Zustand sofort. Verzögerungen setzt jede Funktion selbst – der Regler etwa über einen eigenen Parameter oder eine vorgeschaltete Logik, die Beschattungssperre ohne Verzögerung, die Abwesenheitsmeldung mit kurzer Karenzzeit.
Struktur im Projekt
Damit das überschaubar bleibt:
- Eine Gruppenadresse je Fenster für den Rohzustand, sauber benannt nach Raum und Fenster.
- Abgeleitete Adressen für Raum, Geschoss und Haus, erzeugt in einer Logik.
- Funktionen hören auf die passende Ebene: der Regler auf den Raum, die Sammelmeldung auf das Haus.
Wie sich so etwas im Adressschema abbilden lässt, zeigt KNX Gruppenadressen: Ein Schema, das in 10 Jahren noch jeder versteht.
Fazit
Ein Fensterkontakt ist eines der günstigsten Geräte in der Anlage und eines der vielseitigsten Signale. Wer Kontaktart, Polarität und Verhalten nach Busspannungswiederkehr einheitlich festlegt und das Signal konsequent für Heizung, Beschattung und Meldung nutzt, holt aus wenig Hardware viel Funktion – ohne falsche Versprechen beim Thema Sicherheit.
