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Praxis 6 Min. Lesezeit

Telegrammlast reduzieren: zyklisch senden, filtern, ändern

Zyklisches Senden, Sendefilter, Wertänderung und Koppler: Wie Sie die Telegrammlast in einer KNX-Linie messen und mit wenigen Parametern spürbar senken.

Eine KNX-Anlage, die nach der Übergabe einwandfrei läuft, kann nach ein paar Erweiterungen träge werden. Taster reagieren mit Verzögerung, Statusmeldungen kommen spät, im Busmonitor häufen sich Wiederholungen. Die Ursache ist dann selten ein Defekt, sondern eine Linie, auf der zu viel gesendet wird. Fast immer stammen die meisten Telegramme von wenigen Geräten mit ungünstigem Sendeverhalten.

Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Telegrammlast einschätzen, wer typischerweise zu viel sendet und mit welchen Parametern Sie gegensteuern, ohne Funktionen zu verlieren.

Wie viel eine TP-Linie verträgt

KNX TP überträgt mit 9.600 Bit pro Sekunde. Ein Gruppentelegramm inklusive Bestätigung belegt den Bus für einige zehn Millisekunden. Rechnerisch passen damit nur einige Dutzend Telegramme pro Sekunde auf eine Linie, und dieses theoretische Maximum sollte im Betrieb nie erreicht werden.

Entscheidend ist nicht der Durchschnitt, sondern die Spitze. Eine Linie, die im Mittel zwei Telegramme pro Sekunde sieht, kann trotzdem Probleme haben, wenn zwanzig Geräte gleichzeitig senden. Dann warten Telegramme, werden wiederholt oder kommen verspätet an. Für den Nutzer sieht das aus wie ein hängender Taster.

Erst messen, dann ändern

Bevor Sie Parameter anfassen, sollten Sie wissen, wer sendet. Dafür reicht eine Aufzeichnung im Busmonitor über einige Stunden, besser über einen ganzen Tag. Danach werten Sie aus:

  • Telegramme pro Quelladresse. Sortieren Sie nach Absender. In fast jeder Anlage stammt ein großer Teil der Last von wenigen Geräten.
  • Telegramme pro Gruppenadresse. Zeigt, welche Werte am häufigsten gesendet werden.
  • Zeitliche Häufung. Gibt es Wellen zu festen Uhrzeiten oder nach Busspannungswiederkehr?
  • Wiederholungen. Wo werden Telegramme wiederholt? Das ist ein Hinweis auf Engpässe oder Probleme bei einzelnen Empfängern.

Manche Linienkoppler und IP-Router zeigen zusätzlich eine Buslast oder Telegrammzähler an. Wie Sie den Monitor sinnvoll einsetzen, beschreibt Fehlersuche mit dem Busmonitor.

Die üblichen Verdächtigen

Aus vielen Auswertungen ergibt sich ein recht stabiles Bild. Diese Gerätegruppen senden am häufigsten:

QuelleTypisches ProblemAnsatz
Raumregler, TemperaturfühlerIstwert zyklisch in kurzen Abständenlängeres Intervall, Senden bei Änderung
Stellgrößenjede kleine Änderung wird gesendetMindeständerung, Sendezyklus anpassen
WetterstationHelligkeit und Wind sehr häufigÄnderungsschwellen, Zykluszeit
Zähler, EnergiemessungLeistung bei jeder SchwankungSchwelle in Prozent oder Watt
PräsenzmelderHelligkeit und PräsenzstatusHelligkeit nur bei Bedarf senden
Logik, Visualisierungzyklische LeseanfragenLesen nur beim Start, Status per Push

Auffällig oft geht es um Messwerte, die schneller gesendet werden, als jemand sie braucht. Eine Raumtemperatur ändert sich in Minuten, nicht in Sekunden.

Ein unterschätzter Posten sind Visualisierungen und Logikserver. Manche fragen beim Start oder in festen Abständen alle Statusobjekte per Leseanfrage ab. Bei einigen hundert Objekten entsteht so eine Welle, die eine Linie für mehrere Sekunden blockieren kann. Besser ist es, wenn die Aktoren ihren Status bei Änderung selbst senden und die Visualisierung nur beim Start einmal liest, möglichst gestaffelt. Prüfen Sie außerdem, ob Leseanfragen ins Leere gehen: Eine Gruppenadresse ohne Objekt mit gesetztem Lesen-Flag erzeugt bei jeder Abfrage Telegramme, aber keine Antwort.

Zyklisches Senden gezielt einsetzen

Zyklisches Senden hat eine Aufgabe: Es stellt sicher, dass Empfänger einen Wert regelmäßig erhalten, auch wenn ein Telegramm verloren ging oder ein Empfänger neu gestartet wurde. Für Sicherheitsfunktionen ist es unverzichtbar. Ein Windalarm, der zyklisch kommt, erlaubt dem Jalousieaktor, einen Ausfall der Wetterstation zu erkennen.

Für fast alle anderen Werte ist ein kurzer Zyklus unnötig. Praxiswerte, die sich bewährt haben:

  • Sicherheitsrelevante Signale wie Wind oder Regen: zyklisch, mit Zeit passend zur Überwachungszeit im Empfänger
  • Raumtemperatur: bei Änderung, zusätzlich zyklisch im Bereich mehrerer Minuten
  • Stellgrößen: bei Änderung mit Mindestschwelle, zyklisch nur, wenn der Aktor eine Überwachung hat
  • Statusobjekte: bei Änderung, nicht zyklisch

Wichtig ist der Abgleich mit dem Empfänger. Hat ein Heizungsaktor eine Überwachungszeit von 30 Minuten für die Stellgröße, muss der Regler innerhalb dieser Zeit senden. Wird der Zyklus des Reglers verlängert, ohne die Überwachung anzupassen, fährt der Aktor in den Notbetrieb.

Sendefilter und Wertänderung

Fast jede Applikation für Messwerte bietet zwei Arten von Filtern:

Senden bei Wertänderung. Ein Wert wird nur gesendet, wenn er sich um einen bestimmten Betrag geändert hat. Bei Temperaturen sind Schwellen von einigen Zehntel Kelvin üblich. Bei Helligkeit eignet sich eher eine prozentuale Schwelle, weil die Werte über mehrere Größenordnungen schwanken. Bei Leistungswerten helfen absolute Schwellen in Watt oder relative in Prozent.

Sendesperre oder Mindestabstand. Ein Wert darf frühestens nach einer bestimmten Zeit erneut gesendet werden, auch wenn er sich stärker ändert. Damit begrenzen Sie schnelle Schwankungen, etwa bei Wind oder bei Leistungsmessungen an einem Kochfeld.

Die Kombination aus beidem ist meist die beste Lösung: Senden bei relevanter Änderung, aber nicht öfter als einmal in einem festen Zeitraum, plus ein langer Zyklus als Absicherung. Viele Geräte bieten außerdem eine allgemeine Telegrammratenbegrenzung. Sie ist eine sinnvolle Notbremse, ersetzt aber keine sauberen Einzelparameter, weil sie im Zweifel auch wichtige Telegramme verzögert.

Koppler und Linienaufteilung

Wenn die Last auf einer Linie trotz guter Parameter hoch bleibt, ist die Topologie der nächste Hebel. Linienkoppler und IP-Router mit Filtertabelle lassen nur die Gruppenadressen durch, die außerhalb der Linie gebraucht werden. Ein Telegramm, das nur innerhalb der Linie relevant ist, belastet dann weder die Hauptlinie noch andere Linien.

Zwei häufige Fehler machen diesen Vorteil zunichte:

  • Koppler im Durchleitungsmodus. Wird die Filtertabelle zur Fehlersuche abgeschaltet und danach nicht wieder aktiviert, leitet der Koppler alles weiter.
  • Veraltete Filtertabelle. Nach Erweiterungen muss der Koppler neu programmiert werden, sonst blockiert er neue Gruppenadressen oder lässt gelöschte noch durch.

Die Grundlagen zu Kopplern und Filtern stehen in Linienkoppler und Bereichskoppler. Geräte mit sehr hohem Sendeaufkommen, etwa Zähler oder Wetterstation, können außerdem auf eine eigene Linie oder direkt auf KNX IP gelegt werden.

Ein Sonderfall ist der Moment nach Busspannungswiederkehr. Hier senden viele Geräte gleichzeitig ihren Startwert. Sendeverzögerungen nach dem Neustart, gestaffelt pro Gerät, entzerren diese Welle deutlich. Mehr dazu in Verhalten nach Stromausfall.

Fazit

Hohe Telegrammlast ist in den meisten Anlagen ein Parameterproblem weniger Geräte. Messen Sie zuerst mit dem Busmonitor, wer sendet. Setzen Sie dann Wertänderung mit sinnvoller Schwelle, einen Mindestabstand und lange Zyklen als Absicherung. Halten Sie kurze Zyklen für Sicherheitsfunktionen vor, gleichen Sie Überwachungszeiten der Empfänger ab und prüfen Sie Koppler und Filtertabellen. Danach reagiert die Anlage wieder so, wie der Nutzer es erwartet.

Wenn Sie ein Projekt mit auffälliger Buslast übernehmen, bewerten wir das Sendeverhalten im knxproj-Audit.

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