Kaum eine Funktion erzeugt nach der Übergabe so viele Rückfragen wie die Beschattung. Der Raffstore fährt auf 50 Prozent und steht bei einem Drittel. Die Lamellen stehen nach jeder Fahrt anders. Morgens fährt eine Fassade zu weit, abends nicht ganz zu. In fast allen Fällen ist der Antrieb in Ordnung und die Ursache steckt in wenigen Parametern des Aktors.
Dieser Beitrag sammelt die Parameterfehler, die uns bei Inbetriebnahmen und bei der Übernahme fremder Projekte am häufigsten begegnen, und zeigt, wie Sie sie eingrenzen. Die Lamellennachführung nach Sonnenstand behandeln wir hier nur am Rand. Sie hat einen eigenen Beitrag: Lamellennachführung nach Sonnenstand.
Fahrzeiten und Endlagen
Alles, was der Aktor über die Position weiß, leitet er aus Zeiten ab. Deshalb stehen die Fahrzeiten am Anfang jeder Fehlersuche.
Fehler 1: Fahrzeiten geschätzt statt gemessen
Ein Jalousieaktor ohne Endlagenerkennung kennt die Position des Behangs nicht. Er rechnet sie aus der Fahrzeit. Stimmt die eingetragene Fahrzeit nicht, stimmt jede Positionsangabe nicht. Der häufigste Fehler ist eine geschätzte oder aus einem anderen Projekt kopierte Fahrzeit.
So messen Sie richtig:
- Behang in die obere Endlage fahren und kurz warten.
- Abwärts starten und die Zeit stoppen, bis der Motor in der unteren Endlage abschaltet.
- Dasselbe aufwärts. Die Aufwärtsfahrt dauert fast immer länger, weil der Motor das Gewicht des Behangs heben muss.
- Beide Werte getrennt eintragen, sofern die Applikation das zulässt.
Bei großen Fassaden lohnt es, jeden Behang einzeln zu messen. Unterschiedliche Höhen, Motoren oder Behänge haben unterschiedliche Fahrzeiten, auch wenn sie auf dem Plan gleich aussehen. Manche Aktoren bieten eine automatische Fahrzeitmessung über die Stromerkennung des Motors. Wo sie verfügbar ist, spart sie Zeit und Fehler.
Fehler 2: Keine Fahrzeitverlängerung in die Endlage
Wenn der Aktor auf „Ab“ fährt, sollte er etwas länger bestromen als die gemessene Fahrzeit. Nur so ist sicher, dass der Behang die Endlage tatsächlich erreicht und der Aktor seine Positionsrechnung zurücksetzen kann. Viele Applikationen haben dafür einen Parameter wie „Fahrzeitverlängerung“ oder einen Zuschlag in Prozent.
Fehlt die Verlängerung oder steht sie auf null, bleibt der Behang manchmal knapp vor der Endlage stehen. Die nächste Positionsfahrt startet dann mit einem falschen Bezugspunkt. Der Motor selbst schaltet in der Endlage über seinen eigenen Endschalter ab, eine moderate Verlängerung schadet ihm deshalb nicht.
Fehler 3: Umschaltpause und Anlaufverzögerung ignoriert
Zwei Zeitparameter werden oft auf dem Standardwert gelassen, obwohl sie zum Motor passen müssen:
- Umschaltpause bei Richtungswechsel. Wenn der Aktor von Auf direkt auf Ab umschaltet, braucht der Motor eine Pause, bevor die andere Richtung bestromt wird. Die nötige Zeit nennt der Motorhersteller. Ist sie zu kurz, verschleißen Motor und Aktorkontakte deutlich schneller.
- Anlaufverzögerung oder Totzeit. Viele Motoren bewegen sich nach dem Bestromen nicht sofort. Diese Verzögerung fällt bei langen Fahrten kaum auf, bei kurzen Lamellenschritten aber sehr. Ein Lamellenschritt von 200 Millisekunden kann sich bei einem trägen Motor kaum bemerkbar machen. Wenn die Applikation einen Parameter für die Totzeit hat, sollte er gesetzt werden.
Fehler 4: Lamellenwendezeit und Lamellenstellung nach der Fahrt
Die Wendezeit ist die Zeit, die der Antrieb braucht, um die Lamellen von ganz geschlossen auf ganz geöffnet zu drehen. Sie bestimmt, wie genau sich Lamellenpositionen anfahren lassen. Wird sie geschätzt, stehen die Lamellen bei „50 Prozent“ irgendwo.
Messen lässt sie sich mit mehreren kurzen Schritten oder mit einer Stoppuhr bei langsamer Bewegung. Bei sehr kurzen Wendezeiten von einer Sekunde oder weniger hilft oft nur Ausprobieren in kleinen Schritten.
Ein zweiter Parameter wird gern übersehen: die Lamellenstellung nach einer Abwärtsfahrt. Fährt der Raffstore nach unten, stehen die Lamellen am Ende geschlossen. Viele Nutzer erwarten aber eine leicht geöffnete Stellung. Die meisten Applikationen erlauben es, nach dem Erreichen der Position automatisch eine Lamellenposition anzufahren. Ist dieser Parameter nicht gesetzt, hält der Kunde die Beschattung für defekt.
Fehler 5: Positionen wandern über den Tag
Ein Behang, der morgens korrekt steht und abends nicht mehr, sammelt Rechenfehler. Jede Fahrt, die nicht in einer Endlage endet, addiert eine kleine Ungenauigkeit. Nach vielen Positionsfahrten durch Sonnenschutzautomatik oder Präsenz summiert sich das.
Abhilfe schafft eine Referenzfahrt. Viele Aktoren fahren den Behang dabei kurz in eine Endlage und von dort auf die gewünschte Position. Sinnvoll ist eine Referenzfahrt nach einer festen Anzahl von Positionsfahrten oder einmal täglich zu einer Zeit, in der sie nicht stört. Manche Applikationen bieten ein eigenes Objekt dafür, das sich über eine Zeitschaltuhr auslösen lässt.
Fehler 6: Prioritäten und Sicherheitsfunktionen
Die Beschattung hat mehrere Quellen: Taster, Zentralfunktionen, Sonnenschutzautomatik, Wetterstation. Welche Quelle Vorrang hat, legen Prioritäten im Aktor fest. Typische Fehler:
- Windalarm mit falscher Priorität. Ein Windalarm muss alle anderen Befehle sperren. Steht er unter der Handbedienung, kann der Nutzer den Raffstore bei Sturm herunterfahren.
- Keine zyklische Überwachung. Wenn die Wetterstation ausfällt, sollte der Aktor das bemerken. Viele Applikationen haben eine Überwachungszeit für das Windobjekt. Läuft sie ab, geht der Kanal in die sichere Position. Dazu muss die Wetterstation zyklisch senden.
- Kein Verhalten am Ende des Alarms. Nach dem Windalarm sollte der Behang oben bleiben oder in eine definierte Position fahren, nicht in den letzten Zustand vor dem Sturm.
Wie Fehlalarme durch die Wetterstation entstehen, beschreibt Wetterstation und Fehlalarme. Die Hierarchie zwischen Zentral- und Einzelbefehlen ist Thema in Zentralfunktionen in KNX.
Fehler finden: ein kurzer Ablauf
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Parameter |
|---|---|---|
| Position stimmt nicht | Fahrzeit falsch | Fahrzeit auf und ab |
| Behang erreicht Endlage nicht | keine Verlängerung | Fahrzeitverlängerung |
| Lamellenschritte wirkungslos | Totzeit, Wendezeit | Anlaufverzögerung, Wendezeit |
| Lamelle nach Fahrt geschlossen | keine Nachstellung | Lamellenposition nach Fahrt |
| Position wandert über den Tag | keine Referenzfahrt | Referenzfahrt, Zähler |
| Wind wird ignoriert | Priorität, Überwachung | Prioritäten, Überwachungszeit |
Beginnen Sie bei der Fahrzeit. Fast alle anderen Werte bauen auf ihr auf. Ändern Sie dann immer nur einen Parameter, programmieren Sie den Kanal neu und testen Sie mit einer Positionsfahrt aus der oberen Endlage. Wer mehrere Werte gleichzeitig verstellt, weiß hinterher nicht, welcher den Fehler behoben hat, und kann das Ergebnis nicht auf baugleiche Kanäle übertragen.
Fazit
Die meisten Beschwerden über Jalousien sind Parameterfehler. Gemessene Fahrzeiten getrennt für Auf und Ab, eine Fahrzeitverlängerung in die Endlage, passende Umschaltpausen und Totzeiten, eine bewusst gesetzte Lamellenstellung, eine regelmäßige Referenzfahrt und klare Prioritäten für die Sicherheitsfunktionen lösen den Großteil davon. Wer diese Werte pro Kanal dokumentiert, findet beim nächsten Servicetermin schneller zurück.
Wenn eine Beschattung in einer fremden Anlage nicht tut, was sie soll, unterstützen wir Sie per Fernzugriff im ETS-Notdienst.
