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Praxis 3 Min. Lesezeit

Zentralfunktionen in KNX: Alles-Aus, Zentral-Auf/Ab und Prioritäten

Ein Taster, der das ganze Haus ausschaltet, klingt einfach. Wie man Alles-Aus und zentrale Beschattung sauber umsetzt, Ausnahmen plant und Prioritäten festlegt.

Der Alles-Aus-Taster an der Haustür steht auf fast jeder Wunschliste. Zentral-Ab für alle Rollläden ebenso. Technisch sind beide schnell angelegt, und genau deshalb werden sie oft nicht zu Ende gedacht: Die Steckdose für den Kühlschrank geht mit aus, der Rollladen vor der offenen Terrassentür fährt zu, und die Statusanzeige am Taster stimmt nie.

Die Hierarchie festlegen

Bevor Gruppenadressen angelegt werden, sollte die Ebene klar sein, auf der eine Zentralfunktion wirkt:

  • Haus: Alles-Aus, Zentral-Auf/Ab für alle Fenster
  • Geschoss oder Bereich: Obergeschoss aus, Südseite ab
  • Raum: alle Leuchten im Raum aus

Jede Ebene bekommt eigene Gruppenadressen. Die Kanäle werden mit ihrer Raumadresse und zusätzlich mit den passenden Zentraladressen verknüpft. So bleibt jeder Kanal einzeln bedienbar und reagiert trotzdem auf die zentralen Befehle. Ein Schema, das solche Zentraladressen sauber unterbringt, beschreiben wir in KNX Gruppenadressen: Ein Schema, das in 10 Jahren noch jeder versteht.

Alles-Aus: Was nicht ausgehen darf

Die wichtigste Planungsfrage ist nicht, was ausgeht, sondern was eingeschaltet bleibt. Typische Kandidaten:

  • Steckdosen für Kühl- und Gefriergeräte, Aquarien, Netzwerktechnik
  • Außenbeleuchtung, die über Dämmerung oder Bewegung läuft
  • Beleuchtung, die aus Sicherheitsgründen an bleiben soll, etwa im Treppenhaus mit Präsenzmelder
  • Technikraum und Server

Gehen Sie die Liste mit dem Kunden durch und schreiben Sie das Ergebnis in die Funktionsbeschreibung. Wer eine geschaltete Steckdose ohne Rückfrage in Alles-Aus aufnimmt, hat irgendwann einen abgetauten Gefrierschrank zu erklären.

Zentral-Auf/Ab: Schutzfunktionen und Aussperrschutz

Bei der Beschattung ist die Zentralfunktion heikler als beim Licht, weil sie mit Sicherheitsfunktionen zusammenarbeiten muss.

Wind- und Regenalarm. Ein Windalarm muss jeden zentralen Fahrbefehl übersteuern. In den meisten Jalousieaktoren gibt es dafür Sicherheits- oder Alarmobjekte mit eigener Priorität. Nutzen Sie diese, statt den Wind über dieselbe Gruppenadresse wie Zentral-Auf zu führen.

Aussperrschutz. Ein Rollladen vor einer Terrassentür sollte bei geöffneter Tür nicht zentral herunterfahren. Dafür braucht es einen Fensterkontakt und eine Sperre im Aktor oder eine Logik. Ohne Kontakt lässt sich die Tür nur von der Zentralfunktion ausnehmen.

Abwesenheit. Zentral-Ab abends ist Komfort. Zentral-Auf morgens bei Abwesenheit kann sinnvoll oder unerwünscht sein. Das ist eine Kundenentscheidung, keine technische.

Prioritäten: einmal festlegen, dann konsequent

Wenn mehrere Funktionen auf einen Kanal wirken, muss feststehen, wer gewinnt. Eine Reihenfolge, die sich für die Beschattung bewährt hat:

  1. Sicherheit: Wind, Regen, Frost
  2. Sperre und Zwangsführung: Wartung, Aussperrschutz
  3. Handbedienung vor Ort
  4. Zentralfunktion
  5. Automatik: Sonnenschutz, Zeitschaltung

Ob Handbedienung vor oder nach der Zentralfunktion kommt, ist Geschmackssache und sollte mit dem Kunden besprochen werden. Wichtig ist, dass es eine Reihenfolge gibt und dass sie dokumentiert ist. Gegeneinander arbeitende Funktionen ohne definierte Priorität gehören zu den häufigsten Ursachen in Wenn die Inbetriebnahme hängt.

Die Statusanzeige am Zentraltaster

Ein Alles-Aus-Taster mit LED soll anzeigen, ob noch irgendwo Licht brennt. Das kann kein einzelner Aktor liefern, denn der Zustand ergibt sich aus vielen Kanälen. Lösungen:

  • eine ODER-Verknüpfung der Statusobjekte in einem Logikbaustein oder Logikmodul
  • Aktoren, die einen kanalübergreifenden Sammelstatus anbieten, wenn alle betroffenen Kanäle auf einem Gerät liegen
  • auf die Statusanzeige verzichten und das bewusst so dokumentieren

Ohne eine dieser Lösungen zeigt die LED den letzten gesendeten Befehl, nicht den tatsächlichen Zustand. Das irritiert Kunden mehr als eine fehlende Anzeige.

Telegrammlast im Blick behalten

Ein zentraler Befehl ist ein Telegramm. Danach melden aber viele Kanäle ihren Status zurück, oft gleichzeitig. In großen Anlagen oder schwach versorgten Linien kann das zu Wiederholungen führen. Prüfen Sie mit dem Gruppenmonitor, was nach einem Zentralbefehl auf dem Bus los ist, und setzen Sie bei Bedarf Sendeverzögerungen für Statusmeldungen, sofern die Aktoren sie anbieten.

Checkliste vor der Übergabe

  • Hierarchie Haus, Geschoss, Raum festgelegt und im Schema abgebildet
  • Ausnahmen für Alles-Aus mit Kunden abgestimmt
  • Wind- und Regenalarm übersteuern Zentralbefehle
  • Aussperrschutz für Terrassen- und Balkontüren geklärt
  • Prioritäten dokumentiert
  • Statusanzeige am Zentraltaster getestet

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