Szenen gehören zu den Funktionen, die Kunden beim Verkaufsgespräch begeistern und nach der Übergabe am häufigsten reklamieren. „Fernsehen" macht nicht mehr, was es soll, „Essen" dimmt plötzlich auf 100 Prozent, und niemand weiß, warum. In fast allen Fällen liegt das nicht an der Technik, sondern an Planung und Parametrierung.
Erst die Szene beschreiben, dann parametrieren
Eine Szene ist ein Zustand mehrerer Gewerke: Licht, Beschattung, manchmal Heizung oder Audio. Bevor in der ETS irgendetwas angelegt wird, sollte pro Raum feststehen:
- welche Szenen es gibt und wie sie heißen
- welche Kanäle beteiligt sind und welche bewusst nicht
- welche Werte gelten sollen
- von wo die Szene aufgerufen wird: Taster, Visualisierung, Präsenzmelder, Zeitschaltung
Das gehört in die Funktionsliste, und zwar in Sätzen: „Szene Fernsehen: Deckenlicht aus, Wandleuchten 30 Prozent, Beschattung Südfenster zu, Heizung unverändert." Was hier nicht steht, wird später geraten.
Wo die Szene liegt: im Aktor oder in der Logik
Szenen im Aktor. Die meisten Schalt-, Dimm- und Jalousieaktoren können Szenen selbst speichern. Jeder Kanal bekommt ein Szenenobjekt und weiß, welchen Wert er bei welcher Szenennummer einnimmt. Vorteil: kein zusätzliches Gerät, keine Abhängigkeit von einem Server. Nachteil: Die Szenenwerte sind über viele Kanäle verteilt und schwerer zu überblicken.
Szenen in einem Szenenbaustein oder Logikmodul. Ein zentrales Gerät empfängt die Szenennummer und sendet die einzelnen Werte an die normalen Gruppenadressen der Kanäle. Vorteil: Alles an einer Stelle, auch Gewerke ohne eigene Szenenfunktion lassen sich einbinden. Nachteil: ein Gerät mehr, das funktionieren muss. Wann sich das lohnt, beschreibt KNX-Logikmodule: Wann sie sich lohnen.
Für Wohnräume mit wenigen Szenen reicht die Aktorszene in der Regel. Sobald Szenen gewerkeübergreifend werden oder häufig angepasst werden sollen, ist die zentrale Lösung wartungsfreundlicher.
Die Nummernfalle: 1 bis 64 oder 0 bis 63
KNX kennt 64 Szenen. In der ETS und in den meisten Applikationen heißen sie Szene 1 bis 64. Auf dem Bus wird aber der Wert 0 bis 63 übertragen. Szene 1 ist also Telegrammwert 0.
Das wird zum Problem, sobald Fremdsysteme beteiligt sind: Eine Visualisierung oder ein Server, der „Szene 5" mit dem Wert 5 sendet, ruft in Wahrheit Szene 6 auf. Prüfen Sie bei jeder Anbindung im Gruppenmonitor, welcher Wert tatsächlich gesendet wird, und dokumentieren Sie die Zählweise.
Gruppenadressen für Szenen
Bewährt hat sich eine Szenen-Gruppenadresse je Raum oder Bereich. Alle Szenen des Raums laufen über diese eine Adresse, die Szenennummer steckt im Telegrammwert. Das hält die Struktur übersichtlich und passt zu den meisten Gruppenadress-Schemata.
Vermeiden Sie es, für jede Szene eine eigene Gruppenadresse mit Schaltobjekt anzulegen. Das funktioniert zwar, skaliert aber schlecht und lässt sich von Visualisierungen schlechter ansprechen.
Parametrierung im Aktor
Pro Kanal sind meist drei Dinge einzustellen:
- Welche Szenennummern der Kanal kennt. Nur die Szenen zuordnen, an denen der Kanal wirklich beteiligt ist.
- Welcher Wert gilt. Helligkeit, Position, Schaltzustand.
- Ob gelernte Werte beim Download überschrieben werden. Bei vielen Aktoren lässt sich einstellen, ob ein ETS-Download die vom Kunden gespeicherten Werte zurücksetzt. Wer das nicht weiß, löscht beim nächsten Servicetermin die Lieblingsszene des Kunden.
Der dritte Punkt ist der häufigste Grund für Ärger nach einem Wartungseinsatz. Klären Sie vor jedem Download, ob der Kunde Szenen selbst angepasst hat.
Status und Zusammenspiel mit Automatik
Nach einem Szenenaufruf müssen die Statusobjekte der Kanäle stimmen. Sonst zeigt der Taster „aus", obwohl die Wandleuchten auf 30 Prozent stehen. Testen Sie jede Szene mit Blick auf die Statusanzeige.
Außerdem gilt: Eine Szene ist ein Startzustand, keine Sperre. Wenn danach ein Präsenzmelder oder die Beschattungsautomatik eingreift, ist die Szene verändert. Legen Sie fest, ob Automatik nach einem Szenenaufruf aktiv bleiben soll, und halten Sie das in der Dokumentation fest.
Was in die Übergabe gehört
- Szenenliste je Raum mit Werten
- welche Taster Szenen speichern dürfen
- Zählweise der Szenennummern bei Fremdsystemen
- ob Downloads gespeicherte Werte überschreiben
Dann kann auch der nächste Techniker eine Szene ändern, ohne die anderen zu zerstören.
