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Planung 4 Min. Lesezeit

KNX-Angebot kalkulieren: Aufwand je Funktion statt Pauschale

Wie Elektrobetriebe den Programmier- und Inbetriebnahmeaufwand für KNX aus der Funktionsliste ableiten – mit eigenen Erfahrungswerten, Nachkalkulation und klaren Annahmen im Angebot.

Material lässt sich bei KNX sauber kalkulieren: Aktoren, Sensoren, Netzteil, Verteiler – alles steht in der Preisliste. Schwierig wird es bei dem Teil, der den Unterschied macht: Projektierung, Programmierung, Inbetriebnahme und Dokumentation. Hier wird oft mit Pauschalen oder Bauchgefühl gearbeitet. Das Ergebnis sind Angebote, die entweder nicht konkurrenzfähig sind oder bei denen am Ende niemand mehr verdient.

Eine belastbarere Methode: den Aufwand aus der Funktionsliste ableiten. Warum die Funktionsliste vor das Angebot gehört, steht in Funktionsliste: Warum sie vor das Angebot gehört. Hier geht es darum, wie man aus ihr eine Zahl macht.

Das Prinzip: Funktionen zählen, nicht Geräte

Gerätezahlen sind ein schlechter Maßstab für den Programmieraufwand. Ein Schaltaktor mit zwölf einfachen Lichtkreisen ist schnell parametriert. Ein einziger Raum mit Konstantlichtregelung, Präsenz, Beschattung und Szenen braucht deutlich länger, obwohl kaum Geräte dazukommen.

Deshalb wird nach Funktionstypen gezählt, zum Beispiel:

  • Licht schalten
  • Licht dimmen, mit oder ohne Szenen
  • Konstantlicht oder präsenzabhängiges Licht
  • Rollladen oder Jalousie einfach
  • Beschattung mit Automatik und Wetterstation
  • Einzelraumregelung je Raum
  • Zentral- und Szenenfunktionen
  • Logikfunktionen, einzeln beschrieben
  • Visualisierung je Seite oder Raum
  • Schnittstellen zu anderen Gewerken

Diese Liste ist ein Ausgangspunkt. Jeder Betrieb sollte sie an die eigenen typischen Projekte anpassen.

Aufwand je Funktionstyp: die eigenen Werte

Für jeden Funktionstyp wird ein Zeitwert hinterlegt – getrennt nach Projektierung in der ETS und Inbetriebnahme vor Ort. Diese Werte lassen sich nicht aus einem Artikel übernehmen. Sie hängen davon ab, wie der Betrieb arbeitet, welche Geräte er verbaut und wie gut seine Vorlagen sind.

Woher die Werte kommen:

  • Nachkalkulation abgeschlossener Projekte. Die beste Quelle, wenn die Zeiten nach Tätigkeit erfasst wurden.
  • Bewusste Zeiterfassung im nächsten Projekt. Wer bisher keine Daten hat, fängt jetzt an – auch grob nach Funktionstyp genügt.
  • Erste Schätzung im Team, die nach jedem Projekt korrigiert wird.

Eine einfache Tabelle reicht:

FunktionstypAnzahlProjektierung je StückInbetriebnahme je StückSumme
Licht schaltenaus Funktionslisteeigener Erfahrungswerteigener Erfahrungswertberechnet
Jalousie mit Automatikaus Funktionslisteeigener Erfahrungswerteigener Erfahrungswertberechnet
Einzelraumregelungaus Funktionslisteeigener Erfahrungswerteigener Erfahrungswertberechnet

Der Vorteil zeigt sich schnell: Wenn der Kunde eine Funktion streicht oder ergänzt, ändert sich die Summe nachvollziehbar.

Was neben den Funktionen anfällt

Ein häufiger Fehler ist, nur die Funktionen zu rechnen. Dazu kommen Positionen, die unabhängig von der Funktionszahl entstehen:

  • Projektgrundlagen: Projekt anlegen, Gebäudestruktur, Topologie, Adressschema. Mit guten Vorlagen deutlich kürzer – siehe ETS 6: Fünf Handgriffe, die Zeit sparen.
  • Abstimmung: Klärung mit Kunde, Architekt und anderen Gewerken.
  • Physikalische Adressierung und Erstdownload aller Geräte.
  • Abnahme und Einweisung des Kunden.
  • Dokumentation und Übergabe.
  • Fahrten und Termine, die durch andere Gewerke entstehen.
  • Nachbesserung: Ein realistischer Anteil für Änderungen nach der Inbetriebnahme.

Gerade die Nachbesserung wird gern vergessen. Ob man sie als eigenen Posten oder als Zuschlag rechnet, ist Geschmackssache – sie muss nur drin sein.

Risiko richtig einpreisen

Nicht jedes Projekt ist gleich planbar. Faktoren, die den Aufwand erhöhen und im Angebot berücksichtigt werden sollten:

  • Gerätetypen, die der Betrieb noch nicht verbaut hat
  • Schnittstellen zu fremden Systemen ohne klare Dokumentation
  • Unklare oder sich ändernde Anforderungen des Kunden
  • Bestandsanlagen ohne vollständiges ETS-Projekt
  • Enge Termine durch den Bauablauf

Diese Punkte gehören als bewusster Zuschlag oder als separate Position ins Angebot – nicht stillschweigend in die Funktionswerte.

Nachkalkulation: der Teil, der die Methode besser macht

Die Methode ist nur so gut wie ihre Werte. Nach jedem Projekt lohnt ein kurzer Vergleich: Welche Funktionstypen haben länger gedauert als kalkuliert? Woran lag es? Die Ursachen sind meist wiederkehrend – fehlende Vorlagen, unklare Funktionsliste, Abstimmung mit anderen Gewerken.

Wer das konsequent macht, hat nach einigen Projekten Werte, auf die er sich verlassen kann. Und er sieht, wo sich Investitionen in Vorlagen oder Schulungen lohnen. Wer überlegt, die Projektierung ganz oder teilweise abzugeben, findet in KNX anbieten ohne eigenen Projektierer einen Vergleich der Wege.

Fazit

Ein KNX-Angebot wird belastbar, wenn der Aufwand aus der Funktionsliste abgeleitet und mit eigenen Erfahrungswerten hinterlegt wird. Die Methode macht Änderungen nachvollziehbar, Risiken sichtbar und die eigene Kalkulation mit jedem Projekt genauer.

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