Eine KNX-Anlage besteht aus Elektronik, die auf dem Bus mit rund 29 Volt arbeitet. Was für die Funktion ein Vorteil ist – geringe Spannung, geringe Ströme –, macht sie gegenüber Überspannungen empfindlich. Nach einem Gewitter sind selten einzelne Geräte betroffen, sondern eine ganze Linie.
Die drei Wege, auf denen Überspannung hereinkommt
Über die Netzseite. Blitzeinschlag ins Verteilnetz oder Schalthandlungen des Netzbetreibers. Trifft zuerst Netzteile und Aktoren.
Über die Busleitung nach draußen. Wetterstation auf dem Dach, Busleitung zum Nebengebäude, Türstation an der Straße. Das ist der unterschätzte Weg – die Busleitung wirkt wie eine Antenne.
Über die Datenleitung. IP-Router, Visualisierungsserver und alles, was am Netzwerk hängt, sind über zwei Wege angreifbar.
Was wo hingehört
Typ 1 im Hausanschluss, wenn ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist. Ableitet den direkten Blitzstromanteil. Ohne Blitzschutzanlage in der Regel nicht gefordert.
Typ 2 in der Hauptverteilung. Der Standardschutz gegen indirekte Einwirkung. Gehört in praktisch jede Neuanlage und ist bei Neuinstallationen nach DIN VDE 0100-443 im Wohnbau vorzusehen.
Typ 3 vor empfindlichen Endgeräten, wenn diese weiter entfernt sitzen. Im Wohnbau selten nötig, in Gewerbeobjekten mit langen Leitungswegen sinnvoll.
Busleitungs-Ableiter an jeder Stelle, an der die Busleitung das Gebäude verlässt oder in einen anderen Blitzschutzbereich wechselt. Also: Wetterstation, Nebengebäude, Außenbereich, Türstation.
Netzwerk-Ableiter für IP-Komponenten, wenn die Leitung nach draußen geht – etwa zu einer Außenkamera.
Was das kostet und was es verhindert
Ein Typ-2-Ableiter für die Hauptverteilung liegt im niedrigen dreistelligen Bereich, ein Busleitungs-Ableiter im niedrigen zweistelligen. Dagegen steht: Bei einem Überspannungsereignis fallen typischerweise mehrere Geräte gleichzeitig aus, dazu kommt die Arbeitszeit für Diagnose, Tausch und Neuprogrammierung.
Der Fall, der in der Praxis am häufigsten vorkommt: Wetterstation ohne Ableiter, Gewitter, danach sind Wetterstation, Linienkoppler und zwei Aktoren defekt.
Nach einem Ereignis: systematisch prüfen
Wenn es passiert ist, hilft nur eine geordnete Bestandsaufnahme:
- Netzteil messen – Busspannung vorhanden?
- Alle Teilnehmer in der ETS abfragen. Die Diagnosefunktion zeigt, welche Geräte antworten.
- Nicht antwortende Geräte einzeln prüfen – manche laufen nach Trennen und Wiederanlegen der Spannung wieder.
- Geräte, die antworten, aber sich falsch verhalten. Das sind die tückischen Fälle: teildefekte Aktoren, die einzelne Kanäle nicht mehr schalten.
- IP-Komponenten separat prüfen.
- Alles dokumentieren – für die Versicherung und für den Fall, dass später weitere Geräte ausfallen.
Rechnen Sie damit, dass nicht alle Schäden sofort sichtbar sind. Vorgeschädigte Bauteile fallen manchmal Wochen später aus.
Was Sie dem Kunden sagen sollten
Überspannungsschutz ist kein Garantieversprechen. Ein direkter Blitzeinschlag ins Gebäude überfordert jede Schutzeinrichtung. Was er leistet: Er macht die häufigen Fälle – indirekte Einwirkung, Schalthandlungen im Netz, Einkopplung über lange Leitungen – beherrschbar.
Das ehrlich zu sagen ist besser, als ein Versprechen zu geben, das im Ernstfall nicht hält.
