Kurz vor dem Einzug ist die Elektrik fertig, die Lichter gehen an, die Rollläden fahren. Der Elektrobetrieb möchte abnehmen lassen und die Schlussrechnung stellen. Genau in diesem Moment haben Sie als Bauherr den meisten Einfluss. Was jetzt nicht auffällt, müssen Sie später nachweisen.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie ein Smart Home bei der Abnahme sinnvoll prüfen, ohne selbst Techniker zu sein, und welche Unterlagen Sie mitnehmen sollten.
Warum die Abnahme mehr ist als ein Rundgang
Die Abnahme ist der Punkt, an dem Sie die Leistung als im Wesentlichen vertragsgemäß anerkennen. Mit ihr beginnt in der Regel die Gewährleistungsfrist, und danach müssen meist Sie belegen, dass ein Mangel vorliegt. Mängel, die Sie bei der Abnahme bereits kennen, sollten deshalb ausdrücklich im Protokoll stehen. Wer sich bei Vertragsfragen unsicher ist, holt sich Rat bei einem Bausachverständigen oder einer Fachanwältin.
Bei einer klassischen Elektroinstallation ist die Prüfung überschaubar: Leuchtet das Licht, haben die Steckdosen Strom? Ein Smart Home hat dagegen Funktionen, die man nicht sieht. Eine Zeitsteuerung, die nachts greift, oder ein Windalarm, der die Raffstoren schützt, zeigt sich nicht beim Rundgang am Nachmittag.
Grundlage: Ihre Funktionsliste
Prüfen kann man nur, was vorher vereinbart war. Ideal ist eine Funktionsliste, die Raum für Raum beschreibt, was das Haus können soll. Haben Sie eine solche Liste zum Angebot gemacht, ist sie jetzt Ihre Prüfliste. Wie eine solche Liste entsteht, erklärt der Beitrag Funktionsliste: Warum sie vor das Angebot gehört. Fehlt eine Liste, nehmen Sie das Angebot und die Bemusterungsprotokolle zur Hand. Notieren Sie vorab, was Sie im Gespräch mit dem Betrieb besprochen haben. Erinnerungen aus der Rohbauphase verblassen schnell.
Der Prüfgang Raum für Raum
Planen Sie für ein Einfamilienhaus mindestens zwei Stunden ein, am besten gemeinsam mit dem Betrieb. Gehen Sie jeden Raum in derselben Reihenfolge durch.
- Taster: Jede Wippe drücken, kurz und lang. Stimmt die Beschriftung oder die Belegung mit dem, was vereinbart war?
- Licht: Schaltet jeder Kreis einzeln? Lässt sich dimmen, wo Dimmen geplant war, ohne Flackern am unteren Ende?
- Rollläden und Raffstoren: Fahren alle in die richtige Richtung? Stoppt ein kurzer Tastendruck die Fahrt?
- Heizung: Zeigt die Raumtemperatur einen plausiblen Wert? Reagiert der Raum, wenn Sie den Sollwert ändern?
- Präsenz- und Bewegungsmelder: Geht das Licht an, wenn Sie den Raum betreten, und nach der vereinbarten Zeit wieder aus?
- Szenen und Zentralfunktionen: Schaltet „Alles aus“ an der Haustür wirklich alles, was es soll, und nichts, was laufen muss, etwa den Kühlschrank?
Funktionen, die man nicht sofort sieht
Manches lässt sich beim Rundgang nicht direkt auslösen. Fragen Sie hier gezielt nach, wie der Betrieb die Funktion getestet hat, und lassen Sie sie sich zeigen.
| Funktion | So lässt sie sich prüfen |
|---|---|
| Windalarm Beschattung | Grenzwert in der Visualisierung kurz herabsetzen lassen oder Testfunktion der Wetterstation nutzen |
| Zeitsteuerungen | Aktuelle Schaltzeiten zeigen lassen, eine Zeit testweise um wenige Minuten verschieben |
| Fensterkontakte | Fenster öffnen, Meldung in App oder Display und Reaktion der Heizung beobachten |
| Verhalten nach Stromausfall | Mit dem Betrieb besprechen, was nach Spannungswiederkehr passieren soll |
| Fernzugriff | Von außerhalb des Hauses über Mobilfunk testen, nicht nur im eigenen WLAN |
Nicht jede Funktion muss am Abnahmetag perfekt sein. Feineinstellungen, etwa Nachlaufzeiten oder Sonnenschutz nach Jahreszeit, ergeben sich oft erst im Alltag. Halten Sie dann im Protokoll fest, dass eine Nachjustierung nach einigen Wochen vereinbart ist.
Die Unterlagen gehören zur Leistung
Eine Smart-Home-Anlage ist nur so gut wie ihre Dokumentation. Wenn später ein anderer Betrieb etwas ändern soll, braucht er die Projektdatei und die Zugangsdaten. Bei KNX ist das das ETS-Projekt, bei anderen Systemen die jeweilige Konfigurationsdatei. Klären Sie bei der Abnahme, dass Sie folgende Unterlagen erhalten:
- die aktuelle Projektdatei, Stand nach der letzten Änderung
- Passwörter für Projekt, Visualisierung und Fernzugriff, getrennt übergeben
- eine Geräteliste mit Einbauorten
- eine Beschreibung der Funktionen, die ein Laie versteht
- den Verteilerplan mit beschrifteten Geräten
- das Prüfprotokoll der 230-V-Installation
Was eine vollständige Dokumentation umfasst, beschreibt KNX-Dokumentation: Was eine saubere Anlagendoku enthalten muss. Wenn Sie unsicher sind, ob eine übergebene Projektdatei brauchbar ist, hilft der kostenlose knxproj-Kurzcheck.
Das Abnahmeprotokoll
Ein gutes Protokoll ist schlicht. Es nennt Datum, Teilnehmer und Leistungsumfang, listet die festgestellten Mängel mit Raum und Beschreibung auf und nennt eine Frist für die Beseitigung. Fehlende Unterlagen und vereinbarte Nachjustierungen stehen ebenfalls darin. Beide Seiten unterschreiben, beide behalten eine Kopie.
Ein Einbehalt für offene Punkte ist üblich und wird oft im Vertrag geregelt. Wie hoch er ausfällt, hängt vom Vertrag und vom Umfang der Mängel ab. Hier lohnt ein Blick in Ihre Vertragsunterlagen.
Unterstützung bei der Abnahme
Viele Bauherren fühlen sich bei der Abnahme unterlegen, weil der Betrieb die Anlage besser kennt. Das ist normal. Eine neutrale zweite Meinung kann helfen, gerade bei größeren Anlagen mit vielen Automatiken. Wenn Sie schon während der Bauzeit einen technischen Ansprechpartner an Ihrer Seite haben möchten, beschreibt Baubegleitung, wie das abläuft.
Kurz zusammengefasst
Nehmen Sie Ihr Smart Home nicht im Vorbeigehen ab. Prüfen Sie Raum für Raum anhand der Funktionsliste, lassen Sie sich unsichtbare Funktionen zeigen und bestehen Sie auf Projektdatei, Passwörtern und Dokumentation. Alles, was offen ist, gehört ins Protokoll, mit Frist. So bleibt die Abnahme ein klarer Abschluss und kein Anfang langer Diskussionen.
